Ärzte Zeitung online, 14.06.2011

Polizeiarzt im Brechmittelprozess freigesprochen

BREMEN (cben). Ein Bremer Polizeiarzt ist zum zweiten Mal vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen worden. Das Bremer Schwurgericht sei von der Schuld des Arztes nicht überzeugt, hieß es. Richter Helmut Kellermann sagte: "Wir sahen uns nicht in der Lage zu verurteilen."

Im Jahr 2005 war im Bremer Polizeigewahrsam ein 35-jähriger Afrikaner ins Koma gefallen, nachdem ihm der Arzt vom Ärztlichen Beweismittelsicherungsdienst (ÄBD) unter Zwang Brechmittel und Wasser eingeflößt hatte, um verschluckte Drogenpäckchen sicherzustellen.

Der des Drogenhandels verdächtigte Afrikaner hatte sich geweigert, das Brechmittel zu trinken. Die Bremer Polizei ordnete daraufhin an, dem Mann Wasser und Brechmittel per Magensonde einzuflößen. Das gefesselte Opfer starb Tage nach der Prozedur in einer Bremer Klinik.

Keine endgültige Klarheit über die Todesursache

Das Bremer Gericht ist im Laufe des neuerlichen Prozesses zu keiner endgültigen Klarheit über die Todesursache des Afrikaners durchgedrungen. Auch die Gutachter und Zeugen konnten den Sachverhalt nicht vollständig aufklären.

Wahrscheinlich sei das Opfer erstickt, weil Wasser und Brechmittel in seine Lunge geraten waren, hieß es. Allerdings blieben Zweifel, weil die Rekonstruktion der Zwangsmaßnahme und die medizinischen Fakten nicht völlig zusammenpassten. Unter Umständen könnte der Mann auch an Vorerkrankungen gelitten haben.

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