Ärzte Zeitung online, 15.06.2011

Arzt steht wegen Stammzelltherapie vor Gericht

WIEN/INNSBRUCK (dpa). Ein Prozess gegen einen Arzt, der Patienten ohne ihr Wissen mit einer experimentellen Stammzelltherapie behandelt haben soll, hat am Mittwoch im Landesgericht Innsbruck begonnen.

Die Betroffenen waren laut Anklage nicht informiert, dass ihre Behandlung noch nicht anerkannt sei.

Der Urologe soll Menschen als "Versuchskaninchen" behandelt haben. Dem Mediziner drohen bis zu zehn Jahre Haft, unter anderem wegen Betrugs.

Der Vorfall zeige, wie ein ausgezeichneter Arzt "aus Ehrgeiz und Gier in die Kriminalität abgleitet", sagte der Staatsanwalt nach Angaben der Nachrichtenagentur APA.

370 Patienten betroffen

Der Urologe soll der Anklage zufolge etwa 370 Patienten mit einer experimentellen Methode wegen Harninkontinenz behandelt haben - ohne sie darüber aufzuklären, dass sie Teil einer Studie seien.

Die Behandlung sei ohne Patientenversicherung und ohne Genehmigung von Arzneimittelbeirat und Ethikkommission geschehen, so die Anklage.

Der Verteidiger des Arztes argumentierte, die Methode sei im fraglichen Zeitraum in der Fachwelt bereits anerkannt gewesen.

Der angeklagte Arzt bekannte sich nicht schuldig. In dem Prozess sind bis Mitte August 17 Verhandlungstage angesetzt.

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