Ärzte Zeitung online, 21.06.2011
 

Razzia in Berliner Helios-Klinik

BERLIN (eb). Etwa 150 Polizeibeamten durchsuchen seit heute morgen die Helios Kliniken GmbH in Berlin. Gegen mehrere Geschäftsführer der Helios Kliniken, sowie gegen Ärzte und Chefärzte besteht der Verdacht des Abrechnungsbetrugs.

Die Staatsanwaltschaft Berlin und das Landeskriminalamt ermitteln wegen des Verdachts, dass mehrere Ärzte seit mindestens 2008 Leistungen gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin abgerechnet haben, obwohl sie die Leistungen nicht selbst erbracht haben.

 Stattdessen sollen die abgerechneten Leistungen von dafür nicht zugelassenen Ärzten oder Assistenzärzten erbracht worden sein.

Betroffen sollen laut einer Medlung der Staatsanwaltschaft Berlin vor allem die am Helios-Standort Berlin-Buch ansässigen Bereiche der Radiologie und der Kardiologie.

Durchsuchungen soll es jedoch auch am Sitz des Helios-Konzerns in Berlin-Mitte und in Privatwohnungen von beschuldigten Ärzten und Geschäftsführern geben.

Der durch den Betrug erstandene Schaden könne zuzeit noch nicht abschließen beziffert werden, so die Staatsanwaltschaft.

[21.06.2011, 21:59:46]
Dr. Klaus Günterberg 
WIE SOLL DER EINSATZ DER ASSISTENZÄRZTE DENN EIGENTLICH ERFOLGEN?
Die Staatsanwaltschaft und das Landeskriminalamt Berlin ermitteln gegen die Helios-Kliniken und gegen Ärzte wegen Abrechnungs-Betruges. Lassen Sie mich vorweg schicken: Ich bin weder dort angestellt noch angestellt gewesen noch besitze ich irgendwelche Anteile dieses oder irgendeines Krankenhaus-Konzerns. Auch bin ich kein Assistenzarzt, bin seit 35 Jahren Facharzt.
Sollten nicht zugelassene Ärzte Leistungen gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung abgerechnet haben, so wäre das Betrug. Warten wir die Ermittlungen ab.

Was mir aber auffällt: Bei all den Ermittlungen und Vorwürfen der letzten Jahre geht es immer auch um Leistungen, die von Assistenzärzten erbracht wurden. Um evtl. Missverständnissen vorzubeugen: Gemeint sind examinierte und voll approbierte, also vollwertige Ärzte, die sich in der Facharztausbildung befinden. Um zur Facharztprüfung überhaupt zugelassen zu werden, müssen sie, je nach Fachrichtung, eine größere Zahl von Untersuchungen, Behandlungen, Begutachtungen, Eingriffen und Operationen vorweisen. Wie sollen sie sich dieses Können erwerben? In der Niederlassung dürfen sie noch nicht arbeiten, dort ist „Facharzt-Standard“ gefordert. In der Klinik werden sie geschult, sie müssen erst assistieren um dann langsam selbständig zu werden und dann unter fachärztlicher Aufsicht das Handwerk auszuüben. Da gibt es große Unterschiede zwischen dem frisch examinierten Arzt und dem Arzt kurz vor der Facharztprüfung. Die Kliniken gehen damit verantwortungsvoll um. Aber wie sollten die Kliniken ihren Ausbildungs- und Versorgungsauftrag unter den Bedingungen des Ärztemangels erfüllen und wie sollten sie abrechnungstechnisch damit umgehen? Sollten sie nur Fachärzte tätig werden lassen? Das würde die Ausbildung junger Ärzte und die Versorgung gefährden. Sollten sie dagegen nur fachärztlich erbrachte Leistungen abrechnen dürfen, hätten die Assistenzärzte umsonst gearbeitet; das wäre den Kliniken wirtschaftlich nicht zuzumuten.
Ich glaube, dass die Öffentlichkeit ein Anspruch hat, zunächst über die Vorschriften informiert zu werden, wie die Leistungen der Assistenzärzte von den Krankenhäusern abzurechnen sind. Erst dann lässt sich urteilen.

Dr. Klaus Günterberg
Gynäkologe. Berlin zum Beitrag »
[21.06.2011, 18:10:51]
Heinz Dommaschk 
Abrechnungsbetrug in den Helioskliniken
Das ganze ist sicher nur die Spitze eines Eisbergs.Keine Institution kann die "erbrachten" oder nur fiktiv ausgewiesenen und abgerechneten Leistungen der Mediziner wirklich kontrollieren. Die Kassen - deren Aufgabe es schon im Sinne und im Interesse ihrer Mitglieder wäre - sind mangels fachlicher und personeller Ausrüstung und Kompetenz - buchstäblich hilf- und machtlos. Ich selbst habe infolge einer elfjährigen Leidenszeit meiner Frau und der damit verbundenen unzähligen Arztkonsultationen und Klinikaufenthalten zweimal "Abrechnungsfehler" von Ärzten und Physiotherapeuten bei unserer Kasse reklamiert mit dem "Erfolg" des Schulterzuckens und der Bemerkung "...das müßten wir - die Kasse oder ich - auch beweisen können. Noch schlimmer sind die Verhältnisse in der Pflege. Es soll mir einmal einer verraten wie ein Mensch in der Pflegestufe 3 - hilf- und völlig anspruchslos - € 38oo.- monatlich an Kosten verursachen kann.  zum Beitrag »

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