Ärzte Zeitung online, 08.07.2011

Vergewaltigung - Spuren sichern ohne die Polizei

KÖLN (iss). Das Institut für Rechtsmedizin an der Kölner Universitätsklinik hat ein neues Angebot für Opfer von Sexualstraftaten entwickelt. Sie können die Spuren der Tat jetzt unabhängig von einer Strafanzeige sichern lassen.

Vergewaltigung - Spuren sichern ohne die Polizei

Polizisten in Köln: Vergewaltigungsopfer scheuen oft den Gang zu ihnen. In der Domstadt gibt es nun eine "anonyme Spurensicherung".

© dpa

Bei der anonymen Spurensicherung stellen sich die Frauen nach der Vergewaltigung oder einer anderen Gewalttat in einer der fünf beteiligten Kliniken in einer gynäkologischen Ambulanz vor, erläutert Dr. Sibylle Banaschak, Leitende Oberärztin am Institut für Rechtsmedizin Köln.

"Hier ist Tag und Nacht eine Ärztin oder ein Arzt anwesend. Sie können die gynäkologische Untersuchung vornehmen." Die Mediziner sind zum Konzept der anonymen Spurensicherung und den Methoden der Spurensicherung geschult worden.

Alle Krankenhäuser sind entsprechend ausgestattet

Die Kliniken haben Untersuchungssets mit allen nötigen Utensilien erhalten, sagt Banaschak.

"Dazu gehören der Dokumentationsbogen, die Abstrichtupfer, Zubehör für eine gegebenenfalls weitergehende Asservierung von Fingernagelabschnitten, Aufkleber für die kodierte Beschriftung der Asservate und Hilfsmittel für die Fotodokumentation."

Nach der Untersuchung werden die Beweismittel mit einem Code versehen, um die Anonymität der Opfer zu sichern. Sie werden versiegelt und in die Rechtsmedizin der Uni gebracht.

Wunsch nach Verdrängung überwiegt oft

Nach Angaben von Irmgard Kopetzky, Koordinatorin des Kölner Notrufs für vergewaltigte Frauen, hat nur ein kleiner Teil der Frauen, die zur Beratung kommen, die Vergewaltigung direkt angezeigt.

Oft überwiege nach der Tat das Bedürfnis, das Geschehen zu verdrängen und den Alltag wiederherzustellen. "Durch die anonyme Spurensicherung haben die Ermittlungsbehörden auch bei einer späteren Anzeige die Möglichkeit, auf Spurenmaterial zurückzugreifen", begrüßt Kopetzky die Kölner Initiative.

Das verbessere in einem Verfahren die Ausgangsposition des Opfers erheblich. Frauen werden mit Faltblättern in Arztpraxen und Beratungsstellen über die anonyme Spurensicherung informiert.

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