Ärzte Zeitung online, 29.07.2011

Nach Op unfruchtbar: Bewährung für Gynäkologen

MÜNCHEN (dpa). Der Frauenarzt operierte fünf Patientinnen illegal, vier von ihnen wurden unfruchtbar. Am Freitag verurteilte den 60 Jahre alten Gynäkologe das Münchner Amtsgericht wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren.

Der Arzt hatte in den Jahren 2005 bis 2007 bei den damals 24 bis 26 Jahre alten Frauen Gewebeproben aus den Eierstöcken entnommen, ohne sie ausreichend über die Risiken aufzuklären.

Die Richterin betonte, bei den Operationen handle es sich um Körperverletzung, weil die Frauen ohne Information über das Risiko der Eingriffe nicht rechtswirksam zugestimmt hätten.

Die Entnahme von Gewebeproben zur Prüfung eventueller Verwachsungen in den Fortpflanzungsorganen ist nach Einschätzung von Gutachtern sinnlos und riskant. Sie sei nur in Ausnahmefällen - etwa bei einem konkreten Verdacht auf einen Tumor - gerechtfertigt.

Der Angeklagte war dagegen von der Wirksamkeit der Eingriffe überzeugt. Das wirkte sich bei dem Urteil zu seinen Gunsten aus.

Mediziner dürften aber nicht veraltete Methoden nutzen, mahnte die Richterin. "Jeder Arzt muss sich fortbilden und weiterentwickeln." Der Angeklagte hat seine Zulassung vor zwei Jahren zurückgegeben.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Auf Frühstück zu verzichten erhöht Diabetes-Gefahr

Wer das Frühststücken auslässt, erhöht damit womöglich das Risiko, an Diabetes zu erkranken. Eine Metaanalyse mit fast 100.000 Teilnehmern zeigt: Die Gefahr wächst mit den Tagen. mehr »

Grünes Licht für die MWBO-Novelle

Weniger Richtzeiten und kompetenzbasiertes Lernen: Der Vorstand der Bundesärztekammer hat die Novelle der (Muster-)Weiterbildungsordnung beschlossen. mehr »

Verdacht auf Kindesmisshandlung? Das sollten Ärzte dann tun

Haben Ärzte den Verdacht, dass ein Kind vernachlässigt, misshandelt oder gar missbraucht wird, sollten sie umgehend tätig werden. Wie sie vorgehen sollten, erläutert Oliver Berthold, Leiter der Kinderschutzambulanz in Berlin. mehr »