Ärzte Zeitung online, 04.08.2011

Mainzer Infusionsskandal: Staatsanwaltschaft gibt auf

Der Fall erregte bundesweit Aufsehen: Drei Säuglinge starben an der Uniklinik Mainz, nachdem sie verunreinigte Infusionen erhalten hatten. Ein Jahr ermittelten die Behörden - fanden aber keinen Schuldigen.

Säuglingstod in Mainz: "Freispruch" für Uniklinik

Sehen kein Verschulden der Uniklinik-Mitarbeiter: Der leitende Oberstaatsanwalt Klaus-Peter Mieth (l) und der Mainzer Polizeipräsident Karl-Heinz Weber.

© Fredrik von Erichsen/dpa

MAINZ (nös). Fast ein Jahr nach dem Tod dreier Säuglinge an der Uniklinik Mainz wurden die Ermittlungen über den Skandal jetzt eingestellt.

Ein strafrechtlich relevantes Verhalten der Klinikmitarbeiter habe man trotz intensiver Ermittlungen nicht feststellen können, erklärte der leitende Staatsanwalt Klaus-Peter Mieth am Donnerstag in Mainz.

Gleichwohl ergaben die Ermittlungen aber auch, dass mindestens zwei der drei Säuglinge an den direkten Folgen der Infektionen mit Enterokokken gestorben sind. Das dritte Kind sei bereits zuvor so schwer erkrankt gewesen, dass "jederzeit mit einem Todeseintritt zu rechnen war", hieß es.

Uniklinik fordert Gutachten an

Für die Uniklinik Mainz kommt die Botschaft einem Freispruch gleich. "Die offizielle Einstellung ist vor allem für die unmittelbar beteiligten Mitarbeiter wichtig", sagte Professor Norbert Pfeiffer, stellvertretender medizinischer Vorstand der Uniklinik.

Im gesamten vergangenen Jahr hätten sie unter einem enormen Druck gestanden. Dennoch, so Pfeiffer, "sind die drei Säuglinge in unserer Obhut verstorben, was uns nach wie vor mit großer Betroffenheit erfüllt".

Pfeiffer kündige an, die Gutachten der Staatsanwaltschaft anzufordern: "Wir werden sie im eigenen Interesse sehr genau analysieren."

Die Chronologie des Hygieneskandals im Rückblick:
Keime in Infusionslösung - zwei Säuglinge tot (22.08.10)
Hygieneskandal in Mainz: Kamen die Keime aus der Apotheke? (23.08.10)
Drei tote Säuglinge in Mainz - Uniklinik sucht das Leck (24.08.10)
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