Ärzte Zeitung online, 17.08.2011

Medizinstudentin darf Studium absetzen

MÜNCHEN (mwo). Die Kosten für die berufliche Erstausbildung oder das Erststudium können doch steuerlich geltend gemacht werden. Das hat der Bundesfinanzhof (BFH) in München mit zwei am Mittwoch, schriftlich veröffentlichten Urteilen entschieden, unter anderem im Fall einer Medizinstudentin.

Medizinstudentin darf Studium absetzen

Studierende bei der Präparation: Für den BFH sind die Studiumskosten auch danach noch steuerlich absetzbar.

© Killig / momentphoto / imago

Eine gegenteilige Klausel des Einkommensteuergesetzes läuft danach im Ergebnis leer. Experten erwarten allerdings, dass die Finanzverwaltung dem nicht folgen und der Bund gegebenenfalls mit einer Gesetzesänderung reagieren wird.

Laut Gesetz gelten Ausgaben für die eigene berufliche Aus- und Weiterbildung als Werbungskosten und mindern so das zu versteuernde Einkommen.

Ab 2004 gilt eine Ergänzung des Einkommensteuergesetzes, die Ausgaben für die erstmalige Berufsausbildung oder ein Erststudium davon ausnimmt - sofern an bestimmten anderen Stellen des Gesetzes nichts anderes bestimmt ist.

Aufwendungen für eigene Berufsausbildung teilweise als Sonderausgaben abzugsfähig

Und genau das ist aber der Fall, urteilte nun der BFH. Denn nach einer dieser anderen Klauseln seien Aufwendungen für die eigene Berufsausbildung teilweise als Sonderausgaben abzugsfähig, soweit sie nicht als Werbungskosten behandelt werden können.

Nach dem Münchner Urteil bedeutet dies einen generellen Vorrang für die Werbungskosten und hebt im Ergebnis das Abzugsverbot für die Erstausbildung wieder auf. Durch eine jährliche Steuererklärung können danach Auszubildende und Studenten einen steuerlichen Verlustvortrag feststellen lassen.

Als Berufsanfänger können sie dann ihre Ausbildungskosten doch als Werbungskosten geltend machen. Voraussetzung ist lediglich, dass die Ausbildung mit dem Ziel einer entsprechenden Berufstätigkeit erfolgt. Konkret bejahte der BFH einen solchen "Veranlassungszusammenhang" bei einem angehenden Piloten und einer Medizinstudentin.

Reagiert das Bundesfinanzministerium?

Beobachter rechnen damit, dass das Bundesfinanzministerium mit einem sogenannten Nichtanwendungserlass auf die Münchner Urteile vom 28. Juli 2011 reagieren und danach eine Gesetzesänderung anstoßen wird.

Ein Nichtanwendungserlass bewirkt, dass die Finanzämter die Rechtsprechung des BFH nicht anwenden. Um ihre Rechte zu wahren, sollten Betroffene trotzdem entsprechend der BFH-Rechtsprechung vorgehen und gegen einen ablehnenden Steuerbescheid Widerspruch einlegen.

Az.: VI R 38/10 (Pilot) und VI R 7/10 (Medizinstudentin)

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