Ärzte Zeitung online, 11.11.2011

Millionenbetrug mit HIV-Arzneien - Razzia

Dubiose Geschäfte mit Aids-Medikamenten: Jetzt ist den Ermittlern ein erster Durchbruch gelungen. Es könnte einer der größten Betrugsprozesse im deutschen Gesundheitswesen werden.

Millionenbetrug mit HIV-Arzneien - Razzia

HIV-Arzneien für Afrika: In Deutschland für dicke Marge auf dem Markt "gelandet".

© imagebroker/ imago

WIESBADEN (nös). Ermittlern des Bundeskriminalamts (BKA) und der Staatsanwaltschaft Flensburg ist im Kampf gegen Millionenbetrügereien mit HIV-Medikamenten offenbar ein Durchbruch gelungen.

Ermittler des BKA haben am Mittwoch Wohnungen und Geschäftsräume auf Sylt und in Hamburg durchsucht, teilten beide Behörden mit.

Hintergrund sind mehrere bundesweite Ermittlungsverfahren. Im konkreten Fall ermittelt die Staatsanwalt Flensburg gegen einen 68-Jährigen wegen Verdachts des Betruges, des Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz sowie des Verstoßes gegen das Markengesetz.

Hohe Gewinnmarge

Die Ermittler werfen dem Mann vor, in den Jahren 2008 und 2009 Arzneien zur HIV-Therapie aus Südafrika über die Schweiz und Belgien nach Deutschland importiert zu haben.

In Afrika werden diese Arzneien oft zu deutlich günstigeren Preisen verkauft als hierzulande. Die Pharmaunternehmen stellen die Arzneien speziell für diesen Markt her.

In Deutschland sollen die importierten Arzneimittel mit gefälschten Packungen schließlich über den Großhandel an die Apotheken geliefert worden sein - mit einer deutlichen Gewinnmarge.

Razzia in Südafrika

Die Staatsanwaltschaft geht von rund sechs Millionen Euro gegenüber drei Millionen "Einkaufspreis" aus ist von: ein Plus für den Händler von rund drei Millionen Euro.

Gleichzeitig zu der Razzia im Norden Deutschland hatten südafrikanische Ermittler Geschäfts- und Privaträume in Kapstadt und Johannisburg durchsucht.

Dabei soll auch ein Pharmahändler festgenommen worden sein. Er könnte der Mittelsmann für den Verkauf der südafrikanischen Arzneien an den Händler auf Sylt gewesen sein.

Ermittlungen laufen noch

Die bundesweiten Ermittlungen waren Anfang des Jahres bekannt geworden. Im Fokus standen Importeure aus der Vulkaneifel, Sylt und dem schleswig-holsteinischen Trittau.

Bei dem Geschäftsmann auf Sylt soll es sich nach damaligen Informationen um einen Geschäftsmann namens Hans-Wilhelm Sch. und einen Mitarbeiter.

Nähere Angaben wollten BKA und Staatsanwaltschaft mit Verweis auf das laufende Ermittlungsverfahren nicht machen.

Verschiedene Firmen im Visier

In Trittau war das Unternehmen MPA Pharma ins Fadenkreuz der Ermittler geraten, ein Unternehmen des bekannten Brillen-Milliardärs Fielmann.

MPA und seine Schwester, die Vertriebsgesellschaft EMRA-MED, dementieren allerdings, an "diesen Vorgängen beteiligt" gewesen zu sein.

Inwieweit die Durchsuchung in Hamburg mit diesen Unternehmen in Zusammenhang steht, ist noch unklar.

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