Ärzte Zeitung online, 25.11.2011

Machtwort im Hörgeräte-Streit

Das Hörgeräte direkt vom HNO-Arzt - den Hörgeräteakustikern war das ein Dorn im Auge, sie sahen ihre Felle dahinschwimmen. Nun greift das Bundeskartellamt durch und pfeift die Hörgeräteakustiker zurück - und stärkt die Position der Ärzte.

Machtwort im Hörgeräte-Streit

Patienten können Hörgeräte direkt über den HNO-Arzt erhalten.

© Bandika / Fotolia.com

KÖLN (iss). Das Bundeskartellamt erleichtert den verkürzten Versorgungsweg bei Hörgeräten, bei dem Patienten Hörgeräte direkt über den HNO-Arzt erhalten.

Die Kartellwächter haben der Bundesinnung für Hörgeräteakustiker (BIHA) untersagt, mit den Krankenkassen Verträge zu Lasten dieser neuen Versorgungsform abzuschließen.

"Die Entscheidung war notwendig, um alternativen Hörgeräteanbietern den Zugang zum Absatzmarkt zu sichern und den Wettbewerb zu Gunsten der Krankenkassen und der gesetzlich versicherten Patienten zu beleben", sagte der Präsident des Bundeskartellamts Andreas Mundt. In dem Bereich bestehe ein erhebliches Einsparpotenzial, sagte er.

Ausschluss für andere Verträge

Nach Angaben des Amtes hat die BIHA seit 2008 bei Verhandlungen von den Kassen für die Gewährung von günstigen Konditionen für die zuzahlungsfreie Versorgung von Patienten mit Hörgeräten eine Gegenleistung verlangt: den Verzicht auf den Abschluss weiterer Versorgungsverträge, insbesondere mit Anbietern des verkürzten Versorgungswegs.

Genau diese Anbieter hatten mit ihren Beschwerden das Bundeskartellamt auf den Plan gerufen.

Die BIHA vertritt mehr als 90 Prozent der Hörgeräteakustiker und verhandelt für die Mitglieder die Konditionen für den Verkauf von Hörgeräten zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Innung macht seit Längerem gegen den verkürzten Versorgungsweg mobil.

Bundeskartellamt: Beschränkung ohne sachliche Rechtfertigung

Die Abgabe der Hörgeräte über den HNO-Arzt setzt Verträge zwischen Herstellern, Ärzten und Kassen voraus. Mehrere Krankenkassen sind auf die Forderungen der BIHA eingegangen - dadurch kamen die alternativen Vertriebsformen nicht zum Zug.

"Hierdurch wurde der Wettbewerb um verschiedene Vertriebswege von Hörgeräten an Endkunden zum Nachteil von Konkurrenten und gesetzlich versicherten Patienten ohne sachliche Rechtfertigung beschränkt", teilte das Bundeskartellamt mit.

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