Ärzte Zeitung online, 27.01.2012

Billig-Silikon in weiteren Implantaten entdeckt

Keine Ruhe im Implantate-Skandal: Immer neue Erkenntnisse treten zutage - nun warnt die zuständige deutsche Behörde vor Silikonkissen eines weiteren Herstellers. Unterdessen wurde der am Mittwoch festgenommene PIP-Gründer wieder freigelassen.

BfArM warnt vor weiteren Brust-Implantaten

Silikon-Implantat nach der Entnahme: Das BfArM erweitert seine Warnung.

© Bruno Bebert / epa / dpa

BONN/PARIS (nös). Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) warnt im Skandal um minderwertige Brust-Implantate vor Silikonkissen eines weiteren Herstellers.

Betroffen sind nach Angaben der Behörde die Implantate TriBREEZE von der Firma pfm medical. Deren Vorgängerin GfE Medizintechnik soll von September 2003 bis August 2004 Silikonkissen in Umlauf gebracht haben, die Silikon von Poly Implant Prothèse (PIP) enthalten haben.

Dem Gründer von PIP, Jean-Claude Mas, wird vorgeworfen, minderwertiges Industriesilikon statt des medizinischen Silikons verwendet zu haben.

Schätzungen zufolge könnten bis zu 75 Prozent aller PIP-Implantate davon betroffen sein. Weltweit tragen bis zu 500.000 Frauen Implantate des Herstellers, mehrere zehntausend sollen minderwertige Silikonkissen erhalten haben.

Das BfArM empfiehlt nun auch Frauen, die TriBREEZE-Implantate aus dem Herstellungszeitraum September 2003 bis August 2004 erhalten haben, ihren Arzt aufzusuchen.

PIP-Gründer auf freiem Fuß

Nach Angaben von pfm medical hat das Unternehmen insgesamt 728 der Implantate bisher in Umlauf gebracht. Bislang seien lediglich zwei Rupturen gemeldet worden, so das Unternehmen in einem Schreiben. Das Unternehmen erklärt das geringere Rissrisiko mit einer speziellen Titanbeschichtung der Implantate.

Auch das Risiko des Ausschwitzens des Silikongels, das den Behörden derzeit Sorgen bereitet, könnte bei diesen Implantaten geringer sein.

Dennoch, schreibt das Unternehmen an die Ärzte, solle den Empfehlungen des BfArM "im medizinisch gebotenen Rahmen Rechnung getragen" werden.

Derweil ist der PIP-Gründer Mas wieder auf freiem Fuß. Er war erst am Mittwoch in Südfrankreich festgenommen worden. Berichten französischer Medien zufolge soll er am Donnerstagabend gegen eine Kaution von 100.000 Euro freigelassen worden sein. Gegen ihn werde wegen "fahrlässiger Verletzung" ermittelt.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Auf diese Arzneien sollten Ärzte bei Hitze achten

Auf bis zu 40 Grad soll das Thermometer diese Woche klettern. Ein Risiko für viele Patienten – vor allem unter bestimmten Medikamenten. mehr »

Spahns Gesetze kommen bei Bürgern an

Fast zwei Drittel der Bundesbürger würden in dringlichen Fällen tatsächlich die Terminservicestelle der KVen nutzen, zeigt eine Befragung. Positives Feedback gibt es auch für die Personaluntergrenzen in den Kliniken. mehr »

Von Mitochondrien und Vulkanen

Nach dem Medizinstudium direkt ins Arztleben? Das wollte unsere Bloggerin Andia Mirbagheri nicht. Sie verbrachte einige Wochen in einem Zelllabor in Ecuador. mehr »