Ärzte Zeitung online, 04.08.2012

Schwerbehinderung

Diabetes verbessert nicht die Abi-Note

Das Verwaltungsgericht Stuttgart hat entschieden, dass auch Menschen mit Behinderung Leistungen zeigen müssen, wenn sie Medizin studieren möchten.

Schwerbehinderung rechtfertigt keinen besseren Abitur-Durchschnitt

Diabetes: Auch bei einer Schwerbehinderung gibt es keine Nachsicht beim Abitur-Durchschnitt.

© Phototom / fotolia.com

STUTTGART (fl). Behinderte Schüler können nicht verlangen, dass wegen ihrer Behinderung ihr Abiturdurchschnitt angehoben wird.

Denn auch schwerbehinderte Gymnasiasten müssen die geforderte Leistung erbringen und können keinen generellen "Nachteilsausgleich" für ihre Behinderung in Form von besseren Noten einfordern, entschied das Verwaltungsgericht Stuttgart in einem Urteil.

Im konkreten Fall wollte eine an Diabetes erkrankte, schwerbehinderte Abiturientin Medizin studieren. Ihr Abiturdurchschnitt von 1,6 reichte jedoch nicht aus, um sofort einen Studienplatz zu erhalten.

Sie beantragte daher ein Schulgutachten, in dem aufgrund ihrer Schwerbehinderung ihr Notendurchschnitt verbessert werden soll.

Auf diese Weise könnten ihre behinderungsbedingten Nachteile ausgeglichen werden, so die Abiturientin. Mit dem Gutachten versprach sie sich bessere Chancen bei der Zuteilung auf einen Studienplatz.

Doch die Stuttgarter Richter stellten in ihrem Urteil klar, dass auch Schüler mit Behinderungen das geforderte Leistungsniveau erfüllen müssen. Zwar hätten behinderte Schüler Anspruch auf Hilfen, die die Nachteile der Behinderung ausgleichen.

Das Vorhandensein einer Behinderung lasse es aber nicht zu, den Bewertungsmaßstab bei den Schulnoten zu verändern, so das Verwaltungsgericht.

Es sei nicht zulässig, Beurteilungen fiktive Leistungen zugrundzulegen. Dies verstoße gegen den Grundsatz der Chancengleichheit.

Im schulischen Bereich gebe es als Nachteilsausgleich allerdings den "Notenschutz". Dieser beinhalte, dass das bisher erreichte Notenniveau erhalten bleibt, wenn es sich aktuell aufgrund der Behinderung verschlechtert hat.

Auch die Nichtwertung einzelner Noten sei dann möglich. Hier habe es bei der Klägerin jedoch keine fassbare Notenverschlechterung aufgrund der Behinderung gegeben. Die Schülerin sei immer gleich gut gewesen.

Az.: 12 K 2267/12

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Diese Faktoren begünstigen eine Demenz

Wer im mittleren Alter keinen Sport treibt, hat wohl ein stark erhöhtes Risiko, später an Demenz zu erkranken. Und das ist nicht der einzige Risikofaktor, den Forscher entdeckt haben. mehr »

Honorar-Einigung erzielt!

Die KBV und der GKV-Spitzenverband haben nach siebenstündigen Verhandlungen ihre Honorargespräche erfolgreich abgeschlossen. mehr »

App sorgt für weniger Tage mit Migräne

Bei Einsatz einer Migräne-App lassen sich Kopfschmerztage merklich reduzieren – und zwar um rund ein Viertel, so eine aktuelle Studie. mehr »