Ärzte Zeitung online, 25.09.2012

Transplantationsskandal

Ermittlungen werden gebündelt

Manipulierte Patientendaten für schnellere Leberspenden: Im Skandal von Göttingen kommt nun die Zeit der Staatsanwälte. Jetzt haben sie die Ermittlungen gebündelt.

Ermittlungen werden gebündelt

Uniklinik Göttingen: Jetzt kümmert sich Braunschweig um die Fälle.

© Hubert Jelinek / imago

GÖTTINGEN/STUTTGART (dpa/nös). Der Göttinger Skandal um manipulierte Wartelisten für Leberspenden soll jetzt allein von der Staatsanwaltschaft Braunschweig aufgeklärt werden.

Bislang ermittelt parallel die Staatsanwaltschaft in Göttingen in dem Fall. Die Ankläger in Braunschweig sind auf Korruptionsfälle spezialisiert.

Die Göttinger Ermittler untersuchen denn Fall unter anderem wegen des Verdachts auf Tötungsdelikte. Sie haben ihre Akten nun nach Braunschweig abgegeben, wie Sprecher Andreas Buick am Dienstag sagte.

Buick: "Es ist besser, wenn alles in einer Hand liegt."

Die Braunschweiger ermitteln seit Juni gegen einen früheren verantwortlichen Transplantationsmediziner des Göttinger Uniklinikums wegen des Verdachts der Bestechlichkeit.

Er soll mit dem mittlerweile beurlaubten Chef der Göttinger Gastroenterologie Krankendaten so manipuliert haben, dass seine Patienten möglicherweise bei Leberspenden bevorzugt worden sind.

Auch an seiner früheren Arbeitsstelle, der Uniklinik Regensburg, soll der Chirurg in ähnliche Machenschaften verwickelt gewesen sein.

Derweil hat das Gesundheitsministerium Baden-Württemberg bekannt gegeben, dass im Ländle künftig ein Sechs-Augen-Prinzip in den Transplantationszentren gelten soll.

In jeder Klinik in Baden-Württemberg soll nun eine interdisziplinäre Konferenz aus mindestens drei Ärzten eingerichtet werden.

Zuvor hatten bereits andere Bundesländer ein Sechs-Augen-Prinzip eingeführt, darunter etwa Bayern. Experten haben sich seit dem Skandal wiederholt für interdisziplinäre Transplantationskonferenzen ausgesprochen.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Kinderschutzhotline - Heißer Draht zu Ärzten

Über den Verdacht auf Kindesmissbrauch sprechen, ohne die Schweigepflicht zu verletzen: Das ermöglicht seit 2017 die Medizinische Kinderschutzhotline - eine Zwischenbilanz. mehr »

Hypertonie vor 40. Lebensjahr ist riskant

Junge Erwachsene, die einen erhöhten Blutdruck gemäß den US-amerikanischen Leitlinien von 2017 entwickeln, haben ein signifikant höheres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse als Normotoniker. mehr »

Appell zur rationalen Antibiotika-Gabe

Anlässlich des 11. Europäischen Antibiotika-Tages rufen KBV und vdek zum rationalen Einsatz von Antibiotika bei Erkältungen und Grippe auf. mehr »