Ärzte Zeitung, 24.10.2012

Pädiaterkongress

Therapiefreiheit trotz Leitlinien

BAD ORB (ras). Die Ängste der Ärzte vor der Anwendung von Leitlinien sind unbegründet.

Aus juristischer Sicht greife die Befürchtung, dass Leitlinien die Therapiefreiheit einschränken, in keiner Weise, sagte Dr. Tobias Weimer, Bochumer Facharzt für Medizinrecht, kürzlich beim Herbstkongress der Kinder- und Jugendärzte in Bad Orb.

Zwar müssten Ärzte Leitlinien "beachten und prüfen". Im Einzelfall könnten sie aber davon abweichen, da Leitlinien im Gegensatz zu berufs- und standesrechtlichen Richtlinien nicht verbindlich seien und "aufgrund ihres reinen InformationscharaktersEntscheidungskorridore" offen ließen.

Weimer riet daher, die Gründe schriftlich darzulegen, falls man sich gegen die Anwendung einer Leitlinie entscheide.

Problematisch sei oft die Umsetzung von Leitlinien in der Praxis, sagte Kongressleiter Klaus-Michael Keller. Beispiel: Leitlinie "Frühgeburt an der Grenze der Lebensfähigkeit des Kindes".

So müssten Eltern und Ärzte gemeinsam "die Entscheidung über die Lebenserhaltung" treffen. Im Zweifel solle sich der Arzt aber für das Leben entscheiden, heißt es in der Leitlinie, sagte Professor Peter Bartmann, Leiter der Neonatologie an der Universität Bonn.

Dies sei grundsätzlich richtig, bei Frühchen in der 22. Schwangerschaftswoche könne aber davon abgerückt werden, wenn keine Lebensperspektive für das Kind bestehe.

Dann müssten Ärzte Eltern beim Abschied von ihrem Kind begleiten. Auch das sei Bestandteil einer Leitlinie.

Topics
Schlagworte
Recht (12849)
Pädiatrie (9112)
Organisationen
Uni Bonn (541)
Personen
Klaus-Michael Keller (19)
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Jeder dritte Brustkrebs im MRT übersehen

MRT-Bilder helfen, Brustkrebs früh aufzuspüren – doch in vielen Fällen gelingt das nicht. Eine niederländische Studie ergab: Jedes dritte Karzinom ist im MRT übersehen worden. mehr »

Neun Millionen Klinik-Infektionen jährlich

Infektionen in Kliniken und Pflegeheimen sind in Europa ein großes Problem. Jährlich infizieren sich dort neun Millionen Bürger, berichtet die EU-Seuchenbehörde. mehr »

Elektrostimulation macht Gelähmten Beine

Querschnittgelähmte können mit Krücken wieder gehen – dank einer individuell angepassten epiduralen Stimulation. Allerdings ist die Therapie nicht für jeden geeignet. mehr »