Ärzte Zeitung, 17.01.2013

Arzt vor Gericht

13-jährige Patientin missbraucht?

Wegen des Vorwurfs schweren sexuellen Missbrauchs steht seit heute ein Hausarzt vor dem Marburger Landgericht.

MARBURG. Ein hessischer Allgemeinmediziner soll sich während einer Untersuchung an einem 13-jährigen Mädchen vergriffen haben. Seitheute wird vor dem Marburger Landgericht gegen ihn verhandelt.

Der Vorwurf lautet schwerer sexueller Missbrauch. Der Arzt bestreitet die Taten, äußerte sich vor Gericht aber nicht näher zur Sache.

Laut Anklage kam das Mädchen im April 2009 wegen Halsschmerzen in die Praxis des Allgemeinmediziners. Wie Staatsanwältin Annemarie Wied erläuterte, soll es jedoch auch um gynäkologische Fragen gegangen sein.

Bei einer Unterleibsuntersuchung soll der Arzt beischlafähnliche Handlungen an der 13-Jährigen vorgenommen haben.

Da sie außerhalb der Sprechstunde während der Mittagspause in die Praxis des ihr auch privat bekannten Arztes kam, war zu diesem Zeitpunkt sonst niemand in den Räumen. Ein Sachverständiger sagte vor Gericht, dass ein Abtasten der Scheide bei einer normalen Jugenduntersuchung unüblich sei.

Ins Rollen gebracht wurde das Verfahren von dem Freund des Mädchens, dem sie sich anvertraute. In der Folge wurde die Praxis von fünf Polizisten und einem Experten für Computertechnik durchsucht.

Die Beamten beschlagnahmten Behandlungsunterlagen und ärztliche Geräte. Eine entscheidende Rolle im Prozess wird die Glaubwürdigkeit der Jugendlichen spielen, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit aussagte.

Dazu wird noch ein Sachverständiger mit seinem Gutachten gehört werden. Das Verfahren wird sich mindestens bis Februar ziehen. Dem Arzt droht auch ein Berufsverbot für die Behandlung von minderjährigen Patientinnen. (coo)

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