Ärzte Zeitung online, 08.05.2014

Münster

Plagiatsvorwürfe

Medizinfakultät will Kommission einschalten

Die Internetplattform "VroniPlag" hat elf verdächtige Doktorarbeiten der medizinischen Fakultät Münster veröffentlicht. Eine Kommission soll die Vorwürfe nun untersuchen.

MÜNSTER. Die medizinische Fakultät der Universität Münster will mit einer Untersuchungskommission auf die Aufdeckung von Plagiatsfällen unter ihren Dissertationen reagieren.

Die Plagiatsjäger der Internet-Plattform "VroniPlag" haben bislang elf Fälle von human- und zahnmedizinischen Dissertationen der Universität veröffentlicht, in denen offenbar in großem Umfang abgeschrieben wurde.

Ende April waren durch die Plattform die ersten beiden Fälle von Plagiaten öffentlich geworden, sie betrafen die Arbeiten zweier Mediziner, die heute als Augenärzte arbeiten.

Mittlerweile listet "VroniPlag" elf verdächtige Doktorarbeiten auf. Bei einem der Fälle wurden auf sämtlichen 61 Seiten der Arbeit fremde Textpassagen gefunden. Eine andere Dissertation umfasste nur 15 Seiten, von denen 13 fremde Texte aufwiesen.

Externe Experten in der Untersuchungskommission

"Wir sind erschrocken über das Ausmaß der Anschuldigungen und werden alles dafür tun, um die Vorwürfe gründlich und schnellstmöglich zu klären", zitiert die Uni den Dekan der Fakultät Professor Wilhelm Schmitz. Er will in der kommenden Woche eine Untersuchungskommission einsetzen, die auch mit externen Experten besetzt sein soll.

Die Universität weist darauf hin, dass sämtliche jetzt in der Diskussion stehenden Arbeiten vor 2011 entstanden sind. Damals wurde die Promotionsordnung geändert, seitdem müssen die Arbeiten auch elektronisch eingereicht werden, um die Überprüfung auf Plagiate zu erleichtern.

Neben den Verfassern der Dissertationen geraten auch die betroffenen Gutachter ins Visier. Die Uni wird prüfen, ob sie ihre Pflichten verletzt haben. In Münster werden jährlich etwa 280 Dissertationen an der medizinischen Fakultät eingereicht.

Die Plagiatsjäger von "VroniPlag", die zumeist anonym bleiben, erwarten die Aufdeckung vieler weiterer Fälle an medizinischen Fakultäten. Auf der Homepage der Plattform sind aktuell medizinische Arbeiten von mehreren deutschen Universitäten zu finden. (kab)

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