Ärzte Zeitung, 24.07.2014
 

BKA-Statistik

Millionenschaden durch Abrechnungsbetrug

Die Zahl der Fälle von Abrechnungsbetrug nimmt zu. Nach der jüngsten BKA-Statistik verursachen diese Betrügereien einen Schaden und zweistelliger Millionenhöhe.

WIESBADEN. Delikte der Wirtschaftskriminalität verursachten 2013 nach Angaben des Bundeskriminalamtes (BKA) Schäden von 3,82 Milliarden Euro und damit knapp zwei Prozent mehr als ein Jahr zuvor (3,75 Milliarden Euro).

Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen machten 2013 mit insgesamt 4697 Fällen in der Kriminalstatistik und einem registrierten Schaden von etwa 41 Millionen Euro nur einen geringen Teil der Wirtschaftskriminalität aus.

Bei der Fallzahl gebe es einen Anstieg um rund sieben Prozent im Vergleich zu 2012, die Fallzahl liege zudem über dem Mittelwert der vergangenen fünf Jahre (4100 Fälle). Der registrierte Schaden dagegen sei um 36 Prozent gesunken. Betrugsopfer sind laut BKA Selbstzahler, Beihilfestellen, Kassen und PKV.

Zu den Betrügern zählten Angehörige medizinischer oder pharmazeutischer Berufe sowie Kliniken und Sanatorien. Der Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen ist nach Ansicht des BKA "eine besonders sozialschädliche Form der Wirtschaftskriminalität mit hohen Schadenssummen und negativer Auswirkung auf die Integrität des Gesundheitswesens".

Die Schäden aus Wirtschaftskriminalität belaufen sich laut BKA auf rund 50 Prozent des Gesamtschadenvolumens aller in der Polizeilichen Kriminalstatistik 2013 erfassten Straftaten - bei einem Anteil von nur 1,2 Prozent an der registrierten Gesamtkriminalität. (maw)

[25.07.2014, 11:00:08]
Dr. Tilo Freudenberger 
Was soll bei den RLV-Höhen beim "Ärztebetrug" schon groß rumkommen?
Logischerweise liegen wir Ärzte da weit hinten, denn erstens "betrügen" wir weit weniger, als uns gerne unterstellt wird (Ulla Schmidt's Mißtrauens-Politik läßt grüßen, leider noch deutlich am nachhallen) und zweitens sind die Beträge, um die es geht, lächerlich gering. Wie oft muß denn für €15 pro Fall "betrogen" werden, damit's relevant wird? Die tk hat doch schon seit Jahren eine Untersuchungsgruppe, die regelmäßig geringste Summen findet, aber natürlich Mordswelle damit macht.
Aber Polizisten, Staatsanwälte und Juristen tun sich halt gerne wichtig und -ja- Ärzte als Respektspersonen über Jahrzehnte sind für bashing sehr lohnende Ziele. Da wird absichtlich nicht weiter differenziert. zum Beitrag »
[24.07.2014, 16:49:40]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Vorsicht! BKA-Statistik undifferenziert
Auch die jüngste Statistik des Bundeskriminalamts (BKA) differenziert bei strafbaren Betrügereien im Gesundheitswesen n i c h t zwischen ärztlichen und nicht-ärztlichen Verursachern eines Schadens in zweistelliger Millionenhöhe. Der Leistungs- und Ausgaben-Umfang allein innerhalb der GKV umfasst dagegen 180 Milliarden Euro jährlich.

Bei allen bisherigen Schadensstatistiken der Gesetzlichen Krankenkassen lagen Vertragsärztinnen und -Ärzte erst an 4. Stelle bei Schadenhöhe und -Häufigkeit h i n t e r anderen Leistungserbringern im Gesundheitswesen. Das wird jedoch ein allgemeines "Ärzte-Bashing" nicht verhindern können, so lange nicht auch vom BKA Ross und Reiter genannt werden.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
 zum Beitrag »
[24.07.2014, 14:40:36]
Carsten Windt 
Gelegenheit macht Diebe
Unser Sozialsystem mit seiner doch undurchsichtigen und schlecht kontrollierbaren Abrechnungspraxis schafft Betrügern ausreichend Raum tätig zu werden.
Das ist wie ein Kaufhaus ohne Ladendetektiv. Freier Einkauf ohne zu zahlen. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Vom Sinn und Unsinn medikamentöser Arthrose-Therapien

Arthrosebeschwerden sind weit verbreitet und nur begrenzt medikamentös behandelbar. Ein Update zur Evidenzlage medikamentöser Therapien wurde nun präsentiert. mehr »

"Gelegenheits-Chirurgie ist nicht akzeptabel"

Die Risiken, direkt im Zusammenhang mit einer Op im Krankenhaus zu sterben, sind in Häusern mit geringen Fallzahlen höher als in spezialisierten Kliniken. mehr »

Diesen Effekt haben Walnüsse auf Lipide

Die Lipidsenkung durch den täglichen Verzehr von Walnüssen stellt sich offenbar unabhängig davon ein, ob man dabei auf Kohlenhydrate oder Fette oder auf beides verzichtet. mehr »