Ärzte Zeitung online, 24.06.2015

Später Befund

Patientin erhält 15.000 Euro

Ein Orthopäde muss Schmerzensgeld zahlen, weil er eine Bildgebung zu spät veranlasst hat.

KÖLN. Ein Patient hat Anspruch auf Schmerzensgeld, wenn durch einen Befunderhebungsfehler ein Synovialkarzinom im Unterschenkel zu spät erkannt wird. Das hat kürzlich das Oberlandesgericht Hamm (OLG) in einem rechtskräftigen Urteil entschieden.

Eine 23-jährige Frau war mehrfach wegen Schmerzen im rechten Bein bei einem niedergelassenen Orthopäden. Erst nach mehreren Monaten ergab eine kernspintomographische Untersuchung Anhaltspunkte für die Tumorerkrankung.

Nach der Operation stellte sich bei der Frau eine dauerhafte Fuß- und Großzehenheberschwäche ein. Das OLG sprach ihr ein Schmerzensgeld von 15.000 Euro zu.

Nach Einschätzung des Sachverständigen hätte eine früher durchgeführte Bildgebung mit 100-prozentiger Sicherheit einen reaktionspflichtigen Befund ergeben. Der grobe Behandlungsfehler bewirkte eine Beweislastumkehr zugunsten der Patientin: Die Richter gingen davon aus, dass die Komplikationen auf die zeitliche Verzögerung der Behandlung zurückzuführen waren.

Bei der Bemessung des Schmerzensgeldes zog das OLG das junge Alter der Frau ebenso in Betracht wie die Tatsache, dass sie nach der Diagnose zunächst mit einer Amputation des Unterschenkels rechnen musste.

Oberlandesgericht Hamm Az.: 3 U 166/13

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Blick ins Gehirn offenbart beste Therapie-Option

Einige Depressive sprechen besser auf Verhaltenstherapien an, andere auf Antidepressiva. Ein Blick ins Hirn per fMRT zeigt, welcher Ansatz den meisten Erfolg verspricht. mehr »

Ein steiniger Weg nach Deutschland

Ob geflohen vor Krieg oder eingewandert aus anderen Teilen der Welt: Wer als ausländischer Arzt in einer deutschen Klinik oder Praxis arbeiten will, muss Ausdauer haben – und gutes Deutsch können. mehr »

Milliarden für die Versicherten – Kassen bleiben skeptisch

Erster Aufschlag des neuen Gesundheitsministers: Jens Spahn will gesetzlich Versicherte per Gesetz entlasten. Aus Richtung Kassen weht scharfer Gegenwind. mehr »