Ärzte Zeitung, 07.09.2015

Betrugsvorwürfe

Prozess gegen Schottdorf beginnt

AUGSBURG. Der Fall Schottdorf geht in die nächste Runde: Von diesem Montag an müssen sich der Augsburger Laborarzt Dr. Bernd Schottdorf und seine Ehefrau vor dem Landgericht (LG) Augsburg verantworten.

Es geht um den Vorwurf, dass Schottdorf und seine als Geschäftsführerin mitangeklagte Ehefrau (61) gewerbsmäßigen Betrug in 124 Fällen begangen haben sollen.

Das Ehepaar soll zwischen 2004 und 2007 zu Unrecht Kassenärztliche Vereinigungen zur Auszahlung von Speziallaborleistungen veranlasst haben.

Die Schottdorfs sollen ein Konstrukt mit anderen Ärzten betrieben haben, um keine Rabatte an die Krankenkassen gewähren zu müssen. Dabei geht es um die Frage, ob Schottdorfs Kollegen selbstständige Geschäftspartner waren - oder nur unselbstständig zugearbeitet haben.

Unstrittig ist, dass die Laborarbeiten tatsächlich erledigt wurden und generell abgerechnet werden durften. Es geht lediglich um die Höhe der Vergütung.

Die von der Staatsanwaltschaft für die Anklage errechneten rund 78 Millionen Euro sind dabei die von den Kassen gezahlte Gesamtsumme. Es ist also nicht der Betrag des Rabatts, den Schottdorf nach Ansicht der Ermittler hätte gewähren müssen - dieser liegt wesentlich niedriger.

Schottdorf und seine Frau beteuern ihre Unschuld. "Es ist eine absurde Geschichte, dass alle so etwas für wahr nehmen", sagte Bernd Schottdorf der "Süddeutschen Zeitung" (Freitag), der Untersuchungsausschuss sei eine Farce. Zum Prozess selbst äußert er sich nicht.

Bereits im Jahr 2000 stand Schottdorf wegen ähnlicher Vorwürfe vor dem Augsburger Landgericht. Der Prozess endetet für ihn mit einem Freispruch. Die Staatsanwaltschaft beantragte zwar die Revision beim Bundesgerichtshof, zog den Antrag aber letztlich zurück. (dpa)

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