Ärzte Zeitung, 12.01.2016
 

Schottdorf

Prozess geht zu Ende

Betrugsvorwurf: Am Mittwoch soll das Landgericht Augsburg ein Urteil sprechen.

MÜNCHEN. Im Prozess gegen den Augsburger Laborarzt Dr. Bernd Schottdorf und seine Frau Gabriele soll am Mittwoch das Urteil fallen. Die Staatsanwaltschaft hatte den beiden Unternehmern gewerbsmäßigen Betrug in 124 Fällen vorgeworfen.

Demnach soll das Augsburger Großlabor in den Jahren zwischen 2004 und 2007 in unzulässiger Weise Laborleistungen in Höhe von 78,9 Millionen Euro abgerechnet haben und dadurch die gesetzlichen Kassen um 12,8 Millionen Euro geschädigt haben.

Schottdorf hat die Vorwürfe immer zurückgewiesen. Es habe "keine Tat, keinen Schaden und kein Motiv" gegeben, erklärte der 75-Jährige. Er wisse eigentlich gar nicht, weshalb er vor Gericht stehe.

Als Unternehmer habe er maßgeblich zur Industrialisierung der Labormedizin beigetragen und so dem Gesundheitssystem letztendlich Ausgaben in Milliardenhöhe erspart.

In dem seit vier Monaten laufenden Verfahren vor der 9. Strafkammer des Landgerichts Augsburg ging es um den Vorwurf, die beiden Schottdorfs hätten als Geschäftsführer ihrer Dienstleistungsgesellschaft Syscomp in Bochum, Hamburg, Mainz, Ritschenhausen und Stollberg unselbstständige Außenlabore betrieben, um so eine damals geltende Abstaffelungsregelung bei Speziallaborleistungen für Großlabore zu umgehen.

"Die Zusammenarbeit mit den Ärzten in den Partnerlaboren war erforderlich, und die Leistungen wurden einwandfrei erbracht", so Schottdorf. "Es war ihr gutes Recht, diese abzurechnen."

Die fünf "Partnerlabore" seien für "eine bundesweit gleichmäßige Präsenz" nötig gewesen. Die Ärzte seien in ihren Entscheidungen frei gewesen.

Wegen ähnlicher Vorwürfe stand Schottdorf im Jahr 2000 schon einmal vor dem Augsburger Landgericht. Damals ging es um den Vorwurf, er habe Ärzte als "Strohmänner" beschäftigt, um Abrechnungsbestimmungen zu umgehen. Der Prozess endete nach 32 Verhandlungstagen mit einem Freispruch. (sto)

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