Ärzte Zeitung, 13.07.2016

Entgelt-streit

Nicht auf Kosten der Schweigepflicht

STUTTGART.Arbeitnehmer und ihre Ärzte sollen in einem Streit um die Entgeltfortzahlung nicht mehr die Diagnose der Erkrankung offenlegen müssen. Nach einem aktuell veröffentlichten Urteil des Landesarbeitsgerichts (LAG) Baden-Württemberg müssen Arbeitgeber der Einschätzung der Krankenkassen vertrauen, dass eine Arbeitsunfähigkeit auf einer Ersterkrankung beruht, die den Arbeitgeber zur Lohnfortzahlung verpflichtet.

Damit widersprach das LAG der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts (BAG), wonach Arbeitnehmer gegebenenfalls gezwungen sind, ihre Ärzte von der Schweigepflicht zu befreien.

Die Klägerin war als Gruppenleiterin angestellt. Vom 22. September 2014 bis 3. März 2015 war sie insgesamt 65 Tage krank - deutlich mehr als jeden zweiten Arbeitstag. Hierfür legte sie 14 AU-Bescheinigungen vor. Dabei handelte es sich überwiegend um Erstbescheinigungen, also um die Bescheinigung einer neuen Krankheit. Nur für die Zeit vom 5. Februar bis 3. März 2015, legte sie nach der Erstbescheinigung fünf Folgebescheinigungen für dieselbe Erkrankung vor. Als die Frau anschließend erneut krank war, weigerte sich der Arbeitgeber, trotz der Auskunft durch die Kasse, dass keine anrechenbaren Vorerkrankungen bestünden, Entgeltfortzahlung zu leisten. (mwo)

Landesarbeitsgericht Baden- Württemberg; Az.: 4 Sa 70/15

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Darum will Maria Rehborn unbedingt Landärztin werden

Studentin Maria Rehborn möchte Landärztin werden in den Bergen werden – ein Portrait. mehr »

Welches Wasser in die Nasendusche?

In unserem Trinkwasser tummeln sich viele Erreger. Forscher haben nun getestet, mit welcher Methode Nasenduschen-Wasser behandelt werden sollte, um diese abzutöten. mehr »

Die Rückkehr des Badearztes

Eine Medizinerin bringt die Region Wiesbaden ins Schwitzen: als einzige Badeärztin der Gegend. Der "Ärzte Zeitung" erklärt sie, warum sie Treppen steigen lässt statt eines EKGs – und wie sie 75 Patienten an ihrer Zunge erkannte. mehr »