Ärzte Zeitung, 30.08.2016

"Schwunghafter Handel"

Hausarzt als mutmaßlicher Dealer vor Gericht

Ein Allgemeinmediziner aus Nordfriesland muss sich vor Gericht verantworten: Er soll in über 960 Fällen gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen – und die KV um 1,2 Millionen Euro geschädigt haben.

Von Manfred-Guido Schmitz

Ein Hausarzt als Drogenhändler?

Ein Hausarzt soll in Norddeutschland einen blühenden Handel mit Drogen wie Methadon betrieben haben.

© blacksock / fotolia.com

FLENSBURG/HUSUM. Großer Prozess an einem der kleinsten deutschen Landgerichte: Ein Hausarzt aus Nordfriesland soll in 962 Fällen "gravierende" Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz begangen haben. Außerdem soll er die Kassenärztliche Vereinigung um mehr als 1,2 Millionen Euro betrogen haben. Nach jahrelangen Ermittlungen hat nun der Prozess begonnen.

"Schwunghafter Handel" mit Drogen

Laut Staatsanwaltschaft soll der Mediziner "massenweise diverse Drogen und andere Arzneimittel beschafft und damit einen schwunghaften Handel betrieben haben". Der 51-Jährige habe zwischen Januar 2009 und Februar 2011 Betäubungsmittel ohne ausreichende Kontrollen verschrieben oder verabreicht.

Außerdem soll er Medikamente wie Ritalin, Methaddict, Methadonlösung, Subutex und Polamidon verkauft haben, ohne dass dies medizinisch notwendig gewesen wäre. Der Arzt für Allgemeinmedizin hatte eine Zusatzqualifikation als einer von damals nur wenigen Substitutionsmedizinern im Raum Nordfriesland. Diese Position hat er anscheinend missbraucht.

Vorwurf von Abrechnungsbetrug

Außerdem werden ihm 16 Betrugstaten aus dem Zeitraum von Januar 2007 bis April 2010 angelastet, indem er Leistungen abgerechnet haben soll, die er nicht erbracht habe. Pro Quartal soll dadurch der KV ein Schaden von 75.000 bis 90.000 Euro entstanden sein.

Der Arzt, dessen Approbation zurzeit ruht und der seinen Wohnsitz mittlerweile in Berlin hat, wollte sich zu Prozessauftakt nicht äußern. Die Staatsanwaltschaft sprach sich dafür aus, ein mögliches Berufsverbot zu prüfen.

Vorerst hat das Gericht zehn Verhandlungstage angesetzt.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Fehldiagnose lässt "Thrombophilie"-Patientin zittern

Bei einer Frau mit Venenthrombose wurde eine Thrombophilie-Diagnostik vorgenommen. Der Verdacht erhärtete sich und bescherte ihr angstvolle Wochen. mehr »

Schärfe und Säure kurbeln das Immunsystem an

Was wir essen, beeinflusst maßgeblich, wie gut die Immunabwehr im Speichel funktioniert. Das haben Münchener Forscher untersucht. mehr »

Was tun gegen sexuelle Belästigung?

Anzügliche Bemerkungen, obszöne Witze, schlüpfrige Mails bis hin zu Berührungen: Sexuelle Aufdringlichkeit gehört auch in Praxen und Kliniken manchmal zum Alltag. Statt die Belästigungen zu ignorieren, sollten sich Betroffene wehren - dazu gibt es mehrere Möglichkeiten. mehr »