Ärzte Zeitung, 12.12.2016
 

Klinik-Marketing

Kostenloser Augencheck geht gar nicht

Ärzte dürfen handelsübliche Zuwendungen geben. Eingangsuntersuchungen für einen operativen Eingriff gehören nicht dazu.

MÜNCHEN. Ärzten und Kliniken ist auch laut Heilmittelwerbegsetz (HWG) untersagt, Zuwendungen zu gewähren oder selbst anzunehmen, "es sei denn, dass" – und dann folgt in Paragraf 7 HWG eine erkleckliche Liste mit Ausnahmen. Dazu zählen auch handelsübliche Nebenleistungen oder Auskünfte und Ratschläge. Eine Augenklinik, die potenzieller Kundschaft kostenlose Eingangsuntersuchungen versprach, berief sich jedoch erfolglos auf die Zuwendungs-Ausnahmen des HWG. Das Landgericht München untersagte ihr in einem noch nicht rechtskräftigen Urteil (Az.: 37 O 7083/16), mit einem kostenlosen "Eignungscheck" für eine operative Korrektur von Fehlsichtigkeit zu werben. Das teilte jetzt die Wettbewerbszentrale mit, die das Marketing der Augenklinik initial beanstandet hatte.

Das Landgericht bestätigte deren Auffassung, dass es sich bei dem "Eignungscheck" weder um eine geringwertige Kleinigkeit handele – auch dies wäre vom Zuwendungsverbot des HWG ausgenommen –, noch um eine Auskunft oder einen Ratschlag und auch nicht um eine handelsübliche Nebenleistung. Die Klinik hatte unter anderem argumentiert, Optiker würden vor einem Brillenverkauf ja auch kostenlose Sehtests machen.

Doch die Münchener Richter sahen das anders. Eine Augenlaser-Op stelle einen ärztlichen Eingriff dar, der mit höheren Risiken verbunden sei, als der Einsatz einer Brille. "Dementsprechend schutzwürdiger sei auch der von der Werbung angesprochene Verbraucher", erläutert die Wettbewerbszentrale.

Nach deren Auskunft stellt die jetzt inkriminierte kostenlosen Eingangsuntersuchung keineswegs einen Einzelfall dar. Vielmehr handele es sich dabei "um ein beliebtes Marketinginstrument", das als "Türöffner für die eigentliche Behandlung" diene.  (cw)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Wie Grippeviren ihr Erbgut steuern

Forscher haben nachgewiesen, wie Gene von Influenza-A-Viren an- und abgeschaltet werden. Die Erkenntnisse sollen die Entwicklung neuer Therapien vorantreiben. mehr »

6000 Euro Strafe für Informationen über Abtreibung

Wegen unerlaubter Werbung für Schwangerschaftsabbrüche hat das Amtsgericht Gießen am Freitag eine ortsansässige Allgemeinärztin zu 6000 Euro Geldstrafe verurteilt. mehr »

Mehr Transparenz soll die Wogen der SPRINT-Studie glätten

Der Streit um die SPRINT-Studie hält an. Im Fokus steht die genutzte Methode der Praxisblutdruckmessung, um die sich Gerüchte rankten. Jetzt hat die SPRINT-Gruppe für mehr Transparenz gesorgt. mehr »