Ärzte Zeitung, 13.01.2017

Rechtsextremismus

Kammer verurteilt Angriff auf Arzt

Auf den prominenten Landarzt Dr. Amin Ballouz ist ein fremdenfeindlicher Anschlag verübt worden.

SCHWEDT/POTSDAM. Die Landesärztekammer Brandenburg bekundet Empörung über den Angriff auf den Schwedter Hausarzt Dr. Amin Ballouz, dem Unbekannte vor einer Woche Scheiben seines Wohnhauses eingeworfen und die Reifen seines Autos zerstochen hatten. Übereinstimmenden Berichten lokaler Medien zufolge soll ein Hakenkreuz auf dem Stein, mit dem die Fensterscheibe eingeworfen wurde, aufgemalt gewesen sein. Laut "Märkischer Oderzeitung" habe die Polizei zunächst eine kranke Frau verdächtigt, inzwischen ermittle der Staatsschutz.

"Der Mann ist für unsere Region ein Segen. Er kümmert sich um Einheimische und Flüchtlinge. Er lebt seit Jahrzehnten bei uns", zitiert die "Märkische Allgemeine" eine erste Reaktion des Uckermärker Landrats Dietmar Schulze (SPD). – In einer Solidaritätsadresse erklärte der Präsident der Landesärztekammer Brandenburg Dr. Udo Wolter: "Die Versorgung auf dem Land muss erhalten bleiben und darf nicht durch solche Taten beschädigt werden".

Ballouz ist durch etliche Print- und TV-Reportagen über die Landesgrenzen hinaus bekannt geworden. Der gebürtige Libanese floh als Junge vor dem Bürgerkrieg in seiner Heimat und studierte in der DDR Medizin. Ballouz lebte unter anderem in London und Paris und praktizierte lange Zeit in Schottland.

Heute betreibt er in der Uckermark eine Allgemeinarztpraxis mit zwei Standorten (Schwedt an der Oder und Pinnow). Populär wurde Ballouz insbesondere durch seine  ausgedehnten wie einfühlsamen Hausbesuche, die er in einem alten Trabant absolviert.

2015 veröffentlichte der Journalist Jasper Fabian Wenzel ein Buch über den umtriebigen Landarzt ("Deutschland draußen: Das Leben des Dr. Amin Ballouz", erschienen bei dtv). (cw)

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