Ärzte Zeitung online, 21.02.2017

Bundearbeitsgericht

DRK darf Schwestern nicht dauerhaft verleihen

Nicht nur in DRK-Häusern kümmern sie sich um Kranke. Sind die Schwestern des Roten Kreuzes deshalb Leiharbeiter? Jetzt hat das Bundesarbeitsgericht ein Urteil gesprochen.

Sind DRK-Schwestern Leiharbeiter?

25 000 Schwestern des Deutschen Roten Kreuzes arbeiten in Deutschland – auch außerhalb der DRK-Häuser.

© panthermedia

ERFURT. Das Rote Kreuz kann Mitglieder seiner Schwesternschaften nicht dauerhaft an andere Krankenhäuser verleihen. Im Verleih gelten die Rot-Kreuz-Schwestern als Arbeitnehmerinnen, für die nur eine vorübergehende Überlassung zulässig ist. Der Betriebsrat kann einer Dauerbeschäftigung daher widersprechen, entschied das Bundesarbeitsgericht (BAG) in Erfurt.

Betroffen sind 18.000 Rot-Kreuz-Schwestern, die nicht in DRK-Kliniken arbeiten, sondern von den bundesweit 33 Schwesternschaften an andere Krankenhäuser verliehen werden.

Auch die Ruhrlandklinik in Essen, ein Lungenzentrum des Universitätsklinikums Essen, hatte mit der Schwesternschaft des Roten Kreuzes einen solchen „Gestellungsvertrag“ geschlossen. Danach sollte die Schwesternschaft der Klinik mehrere Krankenschwestern überlassen. Diese sollten zu den dort üblichen Bedingungen beschäftigt werden. Die Schwesternschaft sollte hierfür die Personalkosten und eine Verwaltungskostenpauschale von drei Prozent erhalten.

Der Betriebsrat verweigerte seine Zustimmung, weil die Einstellung nicht nur vorübergehend sein sollte. Das Gesetz lasse aber eine dauerhafte Arbeitnehmerüberlassung nicht zu.

Die Rot-Kreuz-Schwesternschaft ist allerdings ein eingetragener Verein ohne Gewinnabsicht. Als Mitglied des Vereins sind die Krankenschwestern des Roten Kreuzes nach deutschem Recht formal keine Arbeitnehmer.

Daher meinte die Ruhrlandklinik, die üblichen Regelungen für Leiharbeit würden hier nicht gelten. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) in Erfurt legte den Streit dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg  vor.

Der betonte im November, dass die EU-Leiharbeitsrichtlinie „Arbeitnehmer“ weiter definiert. Ein reguläres Arbeitsverhältnis und ein Arbeitsvertrag seien danach nicht erforderlich. Ein „Beschäftigungsverhältnis“ reiche aus, sofern die Beschäftigten aufgrund ihrer Arbeitsleistung wie Arbeitnehmer schutzbedürftig sind. Das entspreche auch dem Ziel der Richtlinie, denn der Schutz für Leiharbeitnehmer könne sonst unterlaufen  werden.

Ein Beschäftigungsverhältnis sei hier offenkundig gegeben. Die Luxemburger Richter gehen auch von einem arbeitnehmerähnlichen sozialen Schutz der Rot-Kreuz-Schwestern aus, weil sie in die gesetzliche Sozialversicherung eingebunden sind und auch Vorschriften wie etwa die Lohnfortzahlung bei Krankheit für sie gelten. Letztlich müsse dies aber das BAG prüfen, so der EuGH.

Voraussetzung der Anwendbarkeit der EU-Leiharbeitsrichtlinie ist nach dem Luxemburger Urteil  zudem eine „wirtschaftliche Tätigkeit“ des „Leiharbeitsunternehmens“. Laut EuGH steht dem aber nicht entgegen, dass die Rot-Kreuz-Schwesternschaft ein eingetragener Verein ohne Gewinnabsicht ist. Der Verein betreibe die Überlassung von Pflegepersonal gegen ein „Gestellungsentgelt“, das die Personal- und die Verwaltungskosten umfasst. Dies sei bereits als „wirtschaftliche Tätigkeit“ anzusehen.

Gestützt darauf gab nun das BAG dem Betriebsrat recht. Das deutsche Recht sei EU-konform auszulegen. Daher liege eine Arbeitnehmerüberlassung „auch dann vor, wenn ein Vereinsmitglied gegen Entgelt bei einem Dritten weisungsabhängig tätig ist und dabei einen Schutz genießt, der – wie bei den DRK-Schwestern – dem eines Arbeitnehmers entspricht“.

Unterdessen bahnt sich eine politische Entschärfung des Problems an, nachdem DRK-Präsident Rudolf Seiters vergangene Woche mit Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) über das Thema gesprochen hatte. Dabei war besprochen worden, dass die DRK-Schwestern zwar dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz unterliegen, von der Befristung für die Arbeitnehmerüberlassung auf 18 Monate aber ausgenommen werden sollen. Ob dies mit EU-Recht vereinbar ist, ist allerdings fraglich, weil die Richtlinie nur eine „vorübergehende“ Arbeitnehmerüberlassung zulässt, ohne allerdings eine konkrete Grenze zu setzen.

Az.: 1 ABR 62/12

 (mwo)

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