Ärzte Zeitung online, 02.03.2017

Betrug

Millionenschaden durch Luftrezepte und Co

Falsch abgerechnete Blutzuckerteststreifen? Kein Einzelfall, zeigen Kassenzahlen: Von den 1,8 Millionen Euro Schaden, der der KKH 2016 durch Betrug entstand, verursachten Apotheker mit 1,2 Millionen den Löwenanteil.

HANNOVER. Durch Betrug ist der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) in Hannover vergangenes Jahr ein Gesamtschaden von 1,8 Millionen Euro entstanden. Das teilte die Kasse am Mittwoch in Hannover mit. Sie ermittelte bundesweit 810 neue Fälle und stellte 47 Strafanzeigen. "Zurückholen konnten wir 850.000 Euro", sagte KKH-Chef Ingo Kailuweit, "Das ist ein Rekordergebnis." 2015 lag die Schadenssumme noch bei 1,4 Millionen Euro in 287 neuen Fällen.

Einmal mehr verursachten die Apotheker in der KKH-Bilanz den größten Schaden. Hier entstand 2016 in 55 aufgedeckten Fällen ein Schaden von knapp 1,2 Millionen Euro (im Vorjahr 588.000 Euro bei 26 aufgedeckten Fällen). So rechnete etwa eine Apotheke Blutzuckerteststreifen "in exorbitant hohen Mengen ab und sorgte somit alleine bei der KKH für einen Schaden von fast 75.000 Euro", heißt es.

Ambulante Pflegedienste auf Platz zwei

Die zweithöchste Schadenssumme verursachten bei der KKH die ambulanten Pflegedienste mit 215.000 Euro und 138 aufgedeckten Fällen (im Vorjahr 323.000 Euro bei 42 aufgedeckten Fällen). "Ein Pflegedienst hat beispielsweise frei erfundene Pflegekurse für Angehörige abgerechnet und so einen Schaden von 56.700 Euro verursacht".

Auf Platz drei folgen Sanitätshäuser. Die meisten Fälle indessen deckte die KKH mit 116 bei Physiotherapeuten und Krankengymnasten auf. Bei niedergelassenen Ärzten wurde in 90 Fällen ein betrügerisches Verhalten entdeckt.

Für Aussagen über die Wirkung des neuen Antikorruptionsgesetzes sei es noch zu früh, so Kailuweit, aber: "Wir freuen uns darüber, dass wir uns dank des Gesetzes jetzt intensiv mit Staatsanwaltschaften und Ärztevertretern über das Thema Korruption austauschen können."

Abhören von Telefonaten?

Oberstaatsanwalt Christian Müller von der Generalstaatsanwaltschaft Celle begrüßte das Gesetz. Man habe nun "Strafbestände an die Hand bekommen, mit denen gearbeitet werden kann".

Aber er bedauerte, dass Telefonate zwischen Ärzten und Patienten nicht abgehört werden dürften, obwohl so "werthaltige Informationen" gewonnen werden könnten. (cben)

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