Ärzte Zeitung online, 03.03.2017
 

Max-Planck-Institut

Hat Klinikchef falsch abgerechnet?

MÜNCHEN. Zu den aktuellen Abrechnungsvorwürfen gegen das Münchner Max-Planck-Institut für Psychiatrie (MPI) in München ist Konkreteres bekannt geworden. Recherchen der "Süddeutschen Zeitung" zufolge ist einer der Verdächtigen der Leiter der Klinik des MPI. Ihm werde vorgeworfen, er habe Chefarztbehandlungen abgerechnet, die er nicht selbst vorgenommen habe.

Inwiefern das tatsächlich der Fall war und ob darin gegebenenfalls ein Verstoß gegen Abrechnungsregeln zu sehen ist, werde derzeit geprüft, heißt es.

Zudem gebe es den Vorwurf der Veruntreuung öffentlicher Mittel. Der Klinikchef soll Forschungsgelder für die Klinik zweckentfremdet haben. Laut einer Stellungnahme der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) arbeitet der Klinikleiter parallel auch in der Forschung. Die finanziellen Überschneidungsbereiche würden jedoch jeweils korrekt abgerechnet.

Genauere Erkenntnisse soll nun die Auswertung der Daten und Akten erbringen, die am vergangenen Dienstag bei einer Durchsuchung des MPI abgeholt worden waren.

Es sind offenbar nicht die ersten Vorwürfe gegen den Arzt. Bereits 2016 habe es die Vorhaltung gegeben, dass die Klinik Schulden mache, um dem Leiter ein hohes Honorar zu ermöglichen, schreibt die "SZ" weiter. Zudem beteilige er Ober- und Assistenzärzte nicht wie vorgesehen durch Poolgelder angemessen an Privatabrechnungen.

Die MPG hatte daraufhin eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft beauftragt, das Vorgehen bei den Abrechnungen zu prüfen. Diese habe aber nichts beanstandet (wir berichteten). Die Klinik habe zudem auch keine roten Zahlen geschrieben. Laut Staatsanwaltschaft München ist hinsichtlich der aktuellen Vorwürfe frühestens in zwei Wochen mit genaueren Erkenntnissen zu rechnen. (cmb)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Wie Grippeviren ihr Erbgut steuern

Forscher haben nachgewiesen, wie Gene von Influenza-A-Viren an- und abgeschaltet werden. Die Erkenntnisse sollen die Entwicklung neuer Therapien vorantreiben. mehr »

6000 Euro Strafe für Informationen über Abtreibung

Wegen unerlaubter Werbung für Schwangerschaftsabbrüche hat das Amtsgericht Gießen am Freitag eine ortsansässige Allgemeinärztin zu 6000 Euro Geldstrafe verurteilt. mehr »

Mehr Transparenz soll die Wogen der SPRINT-Studie glätten

Der Streit um die SPRINT-Studie hält an. Im Fokus steht die genutzte Methode der Praxisblutdruckmessung, um die sich Gerüchte rankten. Jetzt hat die SPRINT-Gruppe für mehr Transparenz gesorgt. mehr »