Ärzte Zeitung, 26.05.2017
 

Integrierte Intervention

Esel sind kein Grund für eine Zweigpraxis

KÖLN. Das Angebot einer tiergestützten Intervention ist kein Grund für die Genehmigung einer Zweigpraxis von Psychotherapeuten. Das hat das Sozialgericht Düsseldorf (SG) rechtskräftigentschieden (Az.: S 2 KA 328/15). Eine Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin aus Viersen wollte in zehn Kilometer Entfernung zu ihrer Praxis eine Zweigpraxis eröffnen, in der sie eine Verhaltenstherapie für Kinder und Jugendliche mit integrierten Interventionen durch Esel, Kaninchen, Katzen und andere Tiere anbieten wollte. Die KV Nordrhein lehnte den Antrag ab, weil der Versorgungsbedarf in Viersen gedeckt sei.

Dagegen klagte die Psychotherapeutin vor dem SG. Ihre Argumentation, dass es auf den Versorgungsbedarf nicht ankomme, da die Versorgung durch die Zweigpraxis qualitativ verbessert werde, blieb aber ohne Erfolg. Eine qualitative Verbesserung der Versorgungssituation konnten die Richter nicht erkennen. Die Frau wollte in der Zweigpraxis klassische Verhaltenstherapie anbieten und sich durch die Anwesenheit von Tieren emotionalen Zugang zu den jungen Patienten verschaffen. Das sei zwar möglich, urteilten sie. Jeder Patient und jede Therapiesituation seien aber individuell. "Insofern ist bei richtlinienkonformem Vorgehen nicht davon auszugehen, dass eine Zugangseröffnung zu den Patienten beziehungsweise Untersuchungs- und Behandlungsweise besser als eine andere ist."

Sonst wäre die Folge, dass bei allen Verhaltenstherapien im Rahmen der Psychotherapie-Richtlinien qualitative Binnendifferenzierungen und Bewertungen angestellt und viele Zweigpraxen genehmigt werden müssten. (iss)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Bariatrische Chirurgie rückt Bluthochdruck zu Leibe

Adipöse Hypertoniker konnten in einer Studie nach bariatrischer Chirurgie ihre antihypertensive Medikation reduzieren. Die Hälfte erreichte sogar eine Remission des Bluthochdrucks. mehr »

Droht uns jetzt eine Staatskrise?

Jamaika gescheitert, politisches Vakuum in Berlin. Am Beispiel der Gesundheitspolitik lässt sich zeigen, warum das noch keine Krise ist. mehr »

Das müssen Ärzte beim Impfen beachten

Allergische Reaktionen sind eine Kontraindikation für eine erneute Anwendung des Impfstoffs. Ist eine weitere Impfung dennoch nötig, sollten Ärzte diese Tipps beherzigen. mehr »