Ärzte Zeitung online, 16.08.2017

Trotz Vorwurfs der fahrlässigen Tötung

Heilpraktiker behandelt weiterhin

KÖLN. Empörung in Nordrhein-Westfalen: Obwohl gegen einen Heilpraktiker aus dem niederrheinischen Brüggen wegen fahrlässiger Tötung ermittelt wird, praktiziert der Mann weiter.

Die Aktivitäten des Heilpraktikers in einem alternativen Krebszentrum hatten im Sommer 2016 bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Er hatte Krebspatienten aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden mit der Substanz "3-Bromopyruvat" behandelt, die nicht als Medikament zugelassen ist. Der Mann steht in Verdacht, für den Tod dreier Patienten verantwortlich zu sein.

Der Landkreis Viersen hatte dem Heilpraktiker die Berufserlaubnis entzogen. Dennoch ist er im Kreis Wesel nur wenige Monate später mit einer "mobilen Praxis" wieder tätig geworden. Bis heute sieht der Kreis offenbar keinen Grund, dagegen einzuschreiten. Die ehemalige Landes-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) und ihr Nachfolger Karl-Josef Laumann (CDU) hatten den zuständigen Landrat aufgefordert, die Aktivitäten des Mannes mit Blick auf den Gesundheitsschutz der Bevölkerung genau zu überprüfen und ihm gegebenenfalls die Tätigkeit als Heilpraktiker zu untersagen.

Laumann sieht gesetzgeberischen Handlungsbedarf. "Wir brauchen bundeseinheitliche Vorgaben für die Erlaubniserteilung, die Ausbildungsinhalte und die Aufsicht über die Heilpraktiker", sagte Laumann der "Rheinischen Post". (iss)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

"Telemedizin ist für uns Landärzte die Zukunft"

Geringes Honorar, hoher Aufwand und auf bestimmte Diagnosen begrenzt – trotzdem setzen einige Ärzte auf die Videosprechstunde. Und das aus vielerlei Gründen. mehr »

Was 100-Jährige von anderen unterscheidet

100-Jährige sind oft weniger krank als die Jüngeren. Worauf es ankommt, haben Forscher anhand von Daten von AOK-Versicherten herausgefunden. mehr »

Lauterbach will Erstkontakte extra vergüten

"Erstkontakte sollen sich lohnen": Mit einem Sonderbudget für Erstkontakte bei Fachärzten will der SPD-Gesundheitspolitiker Professor Karl Lauterbach Ungerechtigkeiten bei der Terminvergabe beseitigen. mehr »