Skandal-Apotheker

Prozess beginnt im November

Der Prozess gegen einen Bottroper Apotheker, dem angelastet wird, Infusionen gepanscht zu haben, beginnt am 13. November in Essen.

Veröffentlicht:

DÜSSELDORF/BOTTROP. Den Prozessbeginn am 13. November teilte das Landgericht Essen am Mittwoch mit: Die Staatsanwaltschaft wirft dem dann seit ziemlich genau einem Jahr in Untersuchungshaft sitzenden Apotheker vor, in fast 62.000 Fällen Medikamente – etwa für Chemotherapien – zu niedrig dosiert zu haben. Der Beschuldigte soll die gepanschten Arzneimittel monatlich bei den gesetzlichen Krankenkassen abgerechnet haben. Dadurch sei ein Gesamtschaden von etwa 56 Millionen Euro entstanden. Ihm werden Betrug, Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz und versuchte Körperverletzung vorgeworfen.

Das Essener Landgericht hat für den Prozess zunächst 13 Fortsetzungstermine bis Mitte Januar 2018 festgelegt. Die Strafkammer ließ neun Nebenkläger zu, die selbst oder deren Angehörige Arzneimittel aus der Apotheke des Angeklagten bezogen haben sollen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sei nachweislich eine "niedrige vierstellige Zahl von Patienten" betroffen.

Laut Staatsanwaltschaft richtete der beschuldigte Apotheker die Beschaffungspraxis seiner Apotheke "systematisch" so aus, dass dort Infusionen mit "zu wenig Wirkstoff" hergestellt worden seien. Die Apotheke in Bottrop war bis zum Bekanntwerden der Vorwürfe eine sogenannte Schwerpunktapotheke und versorgte Patienten individuell mit Krebsmedikamenten.

Der Fall hatte bundesweit für Aufmerksamkeit gesorgt. In Nordrhein-Westfalen zog zuletzt Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) im August Konsequenzen und verfügte eine stärkere Überwachsung Zytostatika herstellernder Apotheken. Die Apothekerkammer Westfalen-Lippe kündigte unterdessen an, mit Gesundheitsämtern, Apothekern und Vertretern des Landesgesundheitsministeriums Sicherheitslücken bei der Zyto-Zubereitung ausloten zu wollen. (dpa/cw)

Mehr zum Thema

Medizinforschungsgesetz

Regierung: Ethikkommission beim Bund bleibt unabhängig

Kommentar zum Umgang mit aggressiven Patienten in Frankreich

Klima der Gewalt

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Das war der Tag: Der tägliche Nachrichtenüberblick mit den neuesten Infos aus Gesundheitspolitik, Medizin, Beruf und Praxis-/Klinikalltag.

Eil-Meldungen: Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Umstellung auf Living Guideline

S3-Leitlinie zu Pankreaskrebs aktualisiert

Lesetipps
Gefangen in der Gedankenspirale: Personen mit Depressionen und übertriebenen Ängsten profitieren von Entropie-steigernden Wirkstoffen wie Psychedelika.

© Jacqueline Weber / stock.adobe.com

Jahrestagung Amerikanische Neurologen

Eine Frage der Entropie: Wie Psychedelika bei Depressionen wirken

Gesundheitsminister Lauterbach hat angekündigt, den Entwurf für die Klinikreform am 8. Mai im Kabinett beraten lassen zu wollen. 

© picture alliance / Geisler-Fotopress

Großes Reformpuzzle

So will Lauterbach den Krankenhaus-Sektor umbauen