Ärzte Zeitung online, 02.02.2018

Versuche an Nachtigallen

Forschung versus Artenschutz

Dürfen Wissenschaftler Nachtigallen für die Autismusforschung nutzen? Das Berliner Verwaltungsgericht muss entscheiden.

Forschung versus Artenschutz

Versuche an Nachtigallen: Sollen diese zum Wohle der Autismus-Forschung gemacht werden?

© Victor Tyakht / stock.adobe.com

BERLIN. Zwei Wissenschaftlerinnen der Freien Universität Berlin wollen Nachtigallen für die Autismus-Forschung nutzen. Das Problem: Die stark bedrohten Bodenbrüter stehen unter Artenschutz. Und die Umweltbehörde in Berlin hat es abgelehnt, den Forscherinnen eine notwendige Ausnahmegenehmigung zu erteilen. Vor dem Verwaltungsgericht Berlin wollen die Wissenschaftlerinnen nun erreichen, dass ihnen von Amts wegen doch noch grünes Licht für ihr Vorhaben gegeben wird.

Mit Hilfe von Nachtigallen wollen sie einer Mitteilung des Gerichtes zufolge die neuronalen Mechanismen untersuchen, die dem Duettgesang ("vocal turn taking") der kleinen Vögel zugrunde liegen. Aus der Untersuchung der Koordinationsprozesse im Gehirn erhoffen sich die Forscherinnen Erkenntnisse für das bessere Verständnis des Krankheitsbildes autistischer Kinder, die nicht in der Lage sind, eine soziale vokale Interaktion zu führen.

Zu diesem Zweck ist geplant, in den nächsten fünf Jahren 36 Nachtigallen als Nestlinge aus der Natur heraus zu entnehmen. Wenn sie ihr Gesangsrepertoire gelernt haben, wollen die Forscher unter Narkose einen Speicherchip im Gehirn implantieren.

"Nach den beabsichtigten Messungen sollen die Implantate entfernt und die Vögel je nach Heilungsverlauf in die freie Natur entlassen oder eingeschläfert werden", heißt es in der Vorschau des Verwaltungsgerichts. Wann dort verhandelt wird, steht noch nicht fest. (juk)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[02.02.2018, 16:31:35]
Judith Märtens 
Nachtigallen als Versuchstiere
Wer hat hierzulande schon eine Nachtigall singen gehört? Hoffe doch sehr, daß der Artenschutz nicht zu gunsten weiterer "notwendiger" Tierversuche ausgehebelt wird. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Hunde im MRT hygienischer als bärtige Männer

Ist es hygienisch, Hunde in MRT-Scanner zu legen, mit denen primär Menschen untersucht werden? Ja, legt eine Studie nahe: Bärtige Männer bergen höhere Kontaminationsrisiken. mehr »

Starke Konzentration wird im Fall Valsartan zum Klumpenrisiko

Noch ist die Risikobewertung im Fall Valsartan nicht abgeschlossen. Aber der Vorgang zeigt die Risiken der starken Marktkonzentration. mehr »

Die Gesundheit der Bombenkinder

Seit Jahrzehnten berichten viele Hibakusha – so nennt Japan seine Atombombenopfer – regelmäßig vor Schülern und Interessierten aus dem In- und Ausland von dem Grauen, das sie und ihre Angehörigen erlebten. mehr »