Ärzte Zeitung, 16.05.2013

Kommentar zur Behandlungsfehler-Statistik

Der blinde Fleck muss weg

Von Anno Fricke

Die Behandlungsfehlerstatistik der Medizinischen Dienste zeichnet ein nur unvollständiges Bild dessen, was bei Behandlungen in den Praxen der Vertragsärzte und in den Kliniken schiefläuft.

Das Bundesgesundheitsministerium zieht sich bei diesem Thema gleich ganz auf das Ungefähre zurück. Zwischen 40.000 und 170.000 Fehler im Jahr könnten es sein, verbreitet das Ministerium via Internet.

Diese Unschärfe nutzen alle Akteure im Gesundheitswesen dazu, mit nicht nachzuprüfenden Zahlen Politik zu machen. Diese offene Flanke sollten die Ärzte schließen.

Ein umfassendes Behandlungsfehlerregister, das auch die Daten der Haftpflichtversicherer und der Gerichte einbezöge, könnte das Bild scharf stellen helfen. Für niedergelassene Ärzte bedeutete ein solcher Akt der Aufklärung keinen Imageschaden. Ein Register könnte vielmehr einen wichtigen Beitrag zur Versorgungsforschung leisten.

Fast die Hälfte der von den MDK-Gutachtern bestätigten Behandlungsfehler entfallen auf das Therapiemanagement, die Dokumentation, die Patientenaufklärung und die Organisation von Behandlungen.

Das zeigt schon auf, wo Ärzteorganisationen und Gesetzgeber ansetzen könnten, um mehr Zeit für die Ärzte freizuschaufeln, ihren eigentlichen Beruf auszuüben.

Lesen Sie dazu auch:
Behandlungsfehler: Orthopäden und Unfallchirurgen am häufigsten am Pranger

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Auf diese Arzneien sollten Ärzte bei Hitze achten

Auf bis zu 40 Grad soll das Thermometer diese Woche klettern. Ein Risiko für viele Patienten – vor allem unter bestimmten Medikamenten. mehr »

Pflege geht auf die Psyche und den Rücken

Der aktuelle TK-Gesundheitsreport hat die Gesundheit der Menschen in Pflegeberufen untersucht. Das Ergebnis zeigt: Die Belastung in der Branche ist hoch. mehr »

Mehr Beratung für mehr Organspenden!

Der Bundestag berät heute zwei Initiativen zur Reform der Organspende in Deutschland. Jüngst kam von einem Experten Kritik an einem der Entwürfe: zu teuer. Das ist „unseriös“, kontert eine Parlamentarierin. mehr »