Ärzte Zeitung online, 17.10.2018

Hepatitis-C-Skandal

Arztpraxis bringt Ermittlungen ins Rollen

Ein Anästhesist steht im Verdacht, mehrere Patienten einer bayerischen Klinik mit Hepatitis C infiziert zu haben.

DONAUWÖRTH. Patienten der Donau-Ries-Klinik in Donauwörth könnten sich bei Operationen mit Hepatitis C infiziert haben, wie aus einer Mitteilung des zuständigen Landratsamtes hervorgeht. Die Staatsanwaltschaft in Augsburg ermittelt.

"Eine Praxis verständigte die Donau-Ries-Klinik Donauwörth, nachdem drei dort operierte Patienten mit Hepatitis C infiziert waren. Vom Krankenhaus ging die Information an das Gesundheitsamt", sagte Dr. Raffaella Hesse vom Landratsamt Donau-Ries der "Ärzte Zeitung".

Das habe sich daraufhin den vermuteten Zusammenhang zwischen Operation und Infektion genauer angesehen. "Wir haben mehrere Möglichkeiten geprüft", so Hesse.

Hinweise hätten sich zu Lasten eines früheren Anästhesisten verdichtet. Gegen diesen werde nun ermittelt. Derzeit ist die Rede von fünf betroffenen Patienten. Nun soll geklärt werden, ob deren Erkrankung tatsächlich etwas mit dem betreffenden Arzt zu tun hat.

Arzt an Hepatitis C erkrankt

Klar ist bisher nur, dass dieser Krankenhausarzt offenbar selbst an Hepatitis C erkrankt war, die Erkrankung inzwischen aber auskuriert habe. Seit Mai 2018 sei er nicht mehr an der Klinik tätig.

Das Gesundheitsamt Donau-Ries möchte nun alle 700 Patienten anschreiben, die der Arzt von November 2016 bis April 2018 behandelt hat. Es solle diagnostisch geklärt werden, ob es eventuell noch weitere Infektionen gibt. Die Klinik war kurzfristig nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

"Grundsätzlich herrschen an den Kliniken extrem hohe Hygienevorschriften", betonte ein Sprecher der Bayerischen Krankenhausgesellschaft. Komplett ausschließen könne man Infektionsfälle dennoch nie.

Seit den 1970er Jahren wurden immer wieder vereinzelt Ansteckungen mit Hepatitis B oder C bekannt – insbesondere durch Chirurgen. Die Deutsche Vereinigung zur Bekämpfung von Viruskrankheiten und das Robert-Koch-Institut haben ein Vorgehen empfohlen, um dieses Risiko zu minimieren.

Die Kliniken sollen dabei Infektiosität, Viruslast des Arztes, Operationsart und Verletzungswahrscheinlichkeit berücksichtigen. Im konkreten Fall in Donauwörth sei unklar, ob oder ab wann der Arzt und die Klinik von der Infektion wussten. (cmb)

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