Ärzte Zeitung, 20.12.2012

KV Westfalen-Lippe

Richtgrößenprüfungen sind sinnlos

Ärzte haben wenig Spielraum, die Kosten verordneter Arzneien zu steuern, sagt Dr. Wolfgang-Axel Dryden. Deshalb hält der KVWL-Chef Richtgrößenprüfungen für sinnlos.

Von Ilse Schlingensiepen

Richtgrößenprüfungen sind sinnlos

KVWL-Chef Dr. Wolfgang-Axel Dryden

© Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe

DORTMUND. Durch die frühe Nutzenbewertung werden Handlungsmöglichkeiten von Ärzten noch einmal deutlich kleiner, ist der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, Dr. Wolfgang-Axel Dryden, überzeugt. Seine Schlussfolgerung: Richtgrößenprüfungen machen keinen Sinn mehr.

Die Ärzte könnten nur noch bei patentgeschützten Arzneimitteln Kostenverantwortung übernehmen, sagte Dryden bei der KVWL-Vertreterversammlung.

Die frühe Nutzenbewertung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) werde aber dazu führen, dass die erfolgreich beurteilten Arzneimittel schneller und umfangreicher als bisher in den Markt dringen.

"Dabei rechne ich persönlich damit, dass bereits eine positive Aussage des IQWiG zu einem neuen Arzneimittel zu einem vorgezogenen Markteffekt führen wird, noch bevor der GBA definitiv beschlossen hat", sagte Dryden.

"Vollständige Abschaffung der Richtgrößenprüfung"

Diese Entwicklung habe sich beim Gerinnungshemmer Ticagrelor gezeigt, für den die erste positive frühe Nutzenbewertung abgeschlossen wurde. "Die Verordnungshäufigkeit nahm deutlich zu und wird weiterhin deutlich zunehmen."

Die bisherige Standardmedikation werde dadurch abgelöst. "Arzneimittel, die bewertet sind, sind wirtschaftlich. Daran komme ich bei der Verordnung nicht vorbei", sagte er.

Die vom Arzt direkt beeinflussbaren Kostensegmente seien also nochmal verringert worden. "Als Konsequenz sehe ich nur eine Option: die vollständige Abschaffung der Richtgrößenprüfung als Maßnahme der Wirtschaftlichkeitsprüfung", sagte Dryden unter dem Applaus der Delegierten.

Das kostenbewusste Verhalten der westfälisch-lippischen Ärzte müssten die Kassen bei den Honorarverhandlungen endlich angemessen berücksichtigen, forderte Dryden.

In den vergangenen acht Jahren sei Westfalen-Lippe zum "Musterländle" bei den Kosten der Arzneimittelversorgung geworden, sagte er.

Die KVWL habe bundesweit die zweitgeringsten Verordnungskosten pro Kopf. "Diese Einsparungen entlasten unsere regionalen Kassen vor Ort überproportional."

KVWL hat Kassen 140 Millionen Euro erspart

Die KVWL sei weiter an einer guten und kostenbewussten Versorgung der Patienten interessiert und daran, die Leistungskraft der Kassen aufrecht zu erhalten, sagte er.

"Ich erwarte im Gegenzug, dass die Kassen ein mindest gleich großes Interesse daran an den Tag legen, endlich und stärker zusätzliche Mittel in die Leistungskraft der ambulanten Versorgung in Westfalen-Lippe zu investieren."

Nur so werde ein Schuh daraus, betonte Dryden. Wenn die Kassen in dieser Frage überhaupt kein Entgegenkommen zeigen, könnten die Anstrengungen der KV abnehmen, sich um eine kostengünstige Arzneimittelversorgung zu bemühen.

Er verdeutlichte die Relation: Die KVWL habe den Kassen bei Arzneimitteln pro Jahr 140 Millionen Euro erspart.

"Wir sind vertragstreu"

Um das Honorarvolumen auf den Bundesschnitt anzuheben, wären 210 bis 220 Millionen Euro nötig. Die Arzneimittelausgaben in Westfalen-Lippe stiegen weniger stark an als im Bundesschnitt, so Dryden.

Auch in diesem Jahr werde die KVWL das vereinbarte Arzneimittelvolumen voraussichtlich einhalten. "Wir sind vertragstreu, aber die Treue wird nicht belohnt."

Für 2013 hat die KVWL mit den Krankenkassen eine Erhöhung des Volumens um 3,6 Prozent auf 2,93 Milliarden Euro vereinbart.

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