Ärzte Zeitung, 14.12.2015

Westfalen-Lippe

Tschüss Richtgrößen

Leitsubstanzen statt Richtgrößen: Ärzte in Westfalen-Lippe sollen künftig bei Medikamenten nicht mehr so leicht in Budgetnot kommen.

DORTMUND. In der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) soll ab dem kommenden Jahr keinem Patienten mehr eine Verordnung verweigert werden, weil das Budget des Arztes erschöpft ist. Ziel einer neuen Systematik der Wirtschaftlichkeitsprüfung ist, dass die Ärzte ihre Verordnungen ausschließlich am therapeutischen Bedarf orientieren.

Zwar haben die KVWL und die Krankenkassen in der Arzneimittelvereinbarung für 2016 formal noch Richtgrößen vereinbart. Sie werden aber bei der Betrachtung der Wirtschaftlichkeit in die zweite Reihe rücken und für die allermeisten KVWL-Mitglieder keine Rolle mehr spielen, berichtete der KVWL-Vorsitzende Dr. Wolfgang-Axel Dryden auf der Vertreterversammlung in Dortmund.

"Die Leitsubstanzen erhalten mit unserer neuen Vereinbarung Bedeutung als Instrument des Rechtsschutzes."

Dafür wird der Katalog der Leitsubstanzen erweitert, die Ärzte erhalten quantitative Ziele - Höchst- und Mindestquoten für die Verordnungshäufigkeit - und qualitative Ziele, zum Beispiel die vorrangige Verordnung von Biosimilars oder die Berücksichtigung von Rabattverträgen.

"Die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung auf Basis dieser beiden Listen erfolgt nach einer Ampelsystematik", sagte der KVWL-Chef. Wer die Ziele erreicht, wird als "grün" eingestuft. Von denen, die die Ziele verfehlen, gelten die 50 Prozent besten als "gelb". Beide Gruppen werden nicht geprüft.

Leitsubstanzen für jede Fachgruppe

Vor die Wirtschaftlichkeitsprüfung werden zudem noch zwei Schritte geschaltet. Für jede Fachgruppe werden besonders relevante Leitsubstanzen definiert.

Wer dabei die Ziele ganz oder überwiegend erreicht, wird nicht geprüft. Wem das nicht gelingt, der kommt dennoch nur in die Prüfung, wenn die Überschreitung der Richtgröße mehr als 25 Prozent beträgt. "Wenn ich mich an das halte, was empfohlen wird, bin ich auch bei einem teuren Medikament wirtschaftlich", betonte Dryden

In die Steuerung werden künftig auch Innovationen und nutzenbewertete Substanzen aufgenommen, ermächtigte Ärzte und Institute werden in die Prüfung einbezogen.

"Wir werden zeitnah alle Verordner darüber informieren, ob sie ihre Ziele erreichen oder verfehlen", kündigte er an. (iss)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Intensives Ausdauertraining bremst frühen Parkinson

Sport lohnt sich: Kommen Parkinsonkranke im frühen Stadium regelmäßig ins Schwitzen, bleiben ihre motorischen Fähigkeiten über mindestens ein halbes Jahr hinweg stabil. mehr »

Wo und wann sich Patienten im Krankenhaus wohlfühlen

Die Bertelsmann Stiftung hat untersucht, wo Patienten ihren Klinikaufenthalt am besten bewerten. Dabei fanden die Analysten interessante Zusammenhänge heraus. mehr »

Krebsüberlebende nach Infarkt oft untertherapiert

Patienten mit Herzinfarkt, die eine Krebsdiagnose in ihrer Anamnese stehen haben, erhalten seltener eine leitliniengerechte Therapie. Das wirkt sich auch auf die Mortalität aus. mehr »