Ärzte Zeitung online, 31.05.2017
 

Bremen

Verordnungen jetzt zeitnah unter der Lupe

In Bremen werden jetzt vor allem neue, teure Wirkstoffe in den Fokus der Verordnungssteuerung genommen. Zentrale Messgröße ist dabei – wie im umgebenden Niedersachsen auch – der Fachgruppendurchschnitt.

Von Christian Beneker

Verordnungen jetzt zeitnah unter der Lupe

In Bremen ist die Verordnung dann unwirtschaftlich, wenn sie den Fachgruppenschnitt teurer Wirkstoffe unbegründet überschreitet. © Doris Heinrichs / fotolia.com

BREMEN. Zum 1. Januar 2015 hat die KV Bremen rückwirkend zu Anfang 2014 Richtgrößenprüfung abgeschafft und eine Wirkstoffprüfung nach Durchschnittswerten eingeführt. Statt wie bisher viele Ärzte unspezifisch mit der Richtgrößenprüfung zu überziehen, sollen unwirtschaftliche Arzneimittelverordnungen nun gezielt aufgedeckt werden, heißt es von KV-Seite. Quoten seien derzeit noch nicht vereinbart. Sie wären aber gemäß Prüfvereinbarung möglich. Heilmittelverordnungen werden in Bremen allerdings weiterhin nach Richtgrößen geprüft.

Die Wirkstoffprüfungen erfolgen quartalsweise auf Antrag der KV oder der Krankenkassen, und zwar deutlich eher als in der Richtgrößenprüfung, also nicht mehr mit zweijährigem Rückstand. Pro Quartal wird bisher jeweils eine Wirkstoffgruppe geprüft, in der sich wirtschaftliche, das heißt etablierte Präparate mit guten Nutzennachweisen und unwirtschaftliche, das heißt neue, teure Präparate mit noch weniger guten Nutzennachweisen gegenüberstehen. Prüfanträge werden für diejenigen Praxen gestellt, deren Anteil an der Verordnung neuer, teurer Präparate den Fachgruppendurchschnitt deutlich übersteigt.

Prüfthemen sind flexibel

Allerdings ist nicht festgelegt, bis zu welcher Höhe eine Überschreitung des Fachgruppenschnitts akzeptiert wäre. In der Prüfung wird nun untersucht, inwiefern der über den Fachgruppenschnitt hinausgehende Anteil an kritischen, weil teuren Präparaten berechtigt ist. Über die zu prüfenden Wirkstoffgruppen wird von Quartal zu Quartal entschieden. Es gibt keine abschließende Liste der "Prüfthemen", erläutert die KV. Neue Prüfthemen ergäben sich beispielsweise dann, "wenn in einer Wirkstoffgruppe neue Präparate auf den Markt kommen, während es schon alte und preisgünstigere gibt."

Ein Beispiel: Auf Basis der verordneten Tagesdosen (DDD) wird berechnet, zu welchen Anteilen in der geprüften Praxis und in der Vergleichsgruppe Marcumar beziehungsweise die neuen und teureren NOAK verordnet wurden. Liegt der Anteil der NOAK-Verordnungen deutlich über dem Fachgruppenschnitt, wird der betreffende Arzt gebeten, seine NOAK-Verordnungen zu begründen. Etwa damit, dass sein Patient nicht in der Lage sei, die Verdünnungswirkung von Marcumar selber zu bestimmen und dazu auch nicht in die Praxis kommen kann. Solche Umstände könnten dann die NOAK-Verordnung im Einzelfall rechtfertigen. Für ihre Entscheidungen holt die Prüfungsstelle das Votum des Fachbeirates Arznei- und Verbandmittel ein, der aus vier Ärzten und vier Kassenvertretern plus unabhängigem Vorsitzenden besteht.

Der nach der Beratung als nicht gerechtfertigt identifizierte Anteil der unwirtschaftlich rezeptierten Präparate wird als Grundlage für eine Neuberechnung genommen und dann erneut mit dem Fachgruppendurchschnitt verglichen. Liegt die geprüfte Praxis dann unter dem Schnitt, gilt ihre Verordnung als wirtschaftlich. Ist das erstmals nicht der Fall, erfolgt gemäß Rahmenvereinbarung zunächst eine umfassende Beratung. Erst wenn innerhalb von fünf Jahren zum zweiten Mal eine Unwirtschaftlichkeit festgestellt wird, müsste der Arzt mit einer Nachforderung rechnen.

Weitere Beiträge zur Serie:
"Prüfvereinbarungen"

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