Ärzte Zeitung online, 27.06.2017
 

Regionale Prüfvereinbarungen

Für Sachsens Hausärzte vor allem Medizin nach Katalog

Leitsubstanzen, Generikaquoten, Rabatt- und Biosimilarziele: In Sachsen ist für jeden was dabei. Hausärzte gehören zu den Verordner-Gruppen, die mittels konkreter Wirkstoff-Vorgaben besonders stark an die Kandare genommen werden.

Von Christoph Winnat

Für Sachsens Hausärzte vor allem Medizin nach Katalog

Hausärzte in Sachsen kennen den KBV-Medikationskatalog aus dem Modellprojekt ARMIN. Jetzt dient er auch zur regionalen Verorndungssteuerung.

© D. Bonardelle / Fotolia

DRESDEN. Der KV-Bezirk Sachsen gehört – mit Thüringen – zu den Regionen, in denen das Modellprojekt "ARMIN" zum gemeinsamen Medikationsmanagement von Arzt und Apotheker läuft. Daher überrascht es nicht, dass sich der ursprünglich hierzu von der KBV entwickelte Medikationskatalog auch unter den neuen Instrumenten wiederfindet, mit denen die Richtgrößen ablösenden Verordnungssteuerung aufwartet. Die katalogkonforme Verordnung stellt eines von insgesamt 17 Wirtschaftlichkeitszielen dar, die in Sachsen für 2017 vereinbart wurden. Je nach Fachgruppe und/oder Prüfgruppe gelten andere Ziele oder auch Prozentquoten, die zu erfüllen sind.

Allerdings heißt es auch in Sachsen, 2017 sei ein "Übergangsjahr". Denn zugleich wurden auch wieder Richtgrößen vereinbart. Erst 2018 sollen Richtgrößen definitiv abgeschafft werden – und das auch nur für die Arzneimittelverodnung. "Im Heilmittelbereich wird es über 2017 hinaus weiterhin Richtgrößen geben", teilt die KV mit.

Bis Jahresende können sich die sächsischen Ärzte also noch mit den neuen Quoten vertraut machen. Erfüllen sie die für ihre Gruppe relevanten Zielvorgaben, werden diese Kosten im Falle einer Wirtschaftlichkeitsprüfung aus ihrem Verordnungsvolumen herausgerechnet.

Während etliche andere Fachgruppen mit eher allgemeinen Zielen wie Generika-, Biosimilar- oder Rabattquoten konfrontiert sind, zählen Allgemeinmediziner und hausärztliche Internisten zu denjenigen, die es durchweg mit konkreten Wirkstoffvorgaben zu tun haben.

Vier der besagten insgesamt 17 Ziele sind auf Hausärzte zugeschnitten:

» Mindestens 81 Prozent ihrer Verordnungen (gemessen in DDD) sollen Standard- und Reservewirkstoffe aus dem KBV-Medikationskatalog sein. Die Wirkstoffvorgaben des Katalogs für die Indikationen Asthma und COPD müssen allerdings nicht berücksichtigt werden.

» Das zweite Ziel für Allgemeinärzte betrifft nichtsteroidale Antirheumatika: Lediglich 17 Prozent der veranlassten NSAR-Menge darf auf die moderneren Coxibe entfallen. Zum Vergleich: Rheumatologen dürfen dagegen 59,7 Prozent ihrer NSAR-Verorndungen mit Coxiben bestreiten, Orthopäden nur 15,3 Prozent.

» Bei den oralen Antikoagulanzien sollen Hausärzte mindestens zur Hälfte Phenprocoumon und Warfarin aufschreiben. Dieses Ziel soll allerdings nur in diesem Jahr gelten. Ab 2018, heißt es, werde es "nicht mehr Gegenstand der Arzneimittel-Vereinbarung sein".

» Bei den neuen oralen Gerinnungshemmern (NOAK) sollen Hausärzte zu mindestens 37 Prozent auf Apixaban und Edoxaban gehen.

Geprüft werden sollen dieses Jahr maximal fünf Prozent der Ärzte einer Prüfgruppe. Aufgreifkriterium sind den Angaben zufolge die jeweils größten Lücken zwischen Soll-Vorgabe und Ziel-Erfüllung. Die genauen Grenzwerte für Beratung und Nachforderung befänden sich "derzeit noch in Verhandlung". Die KV informiere die Verordner quartalsweise "über ihren jeweiligen Stand der Zielerfüllung". Wer diese Informationen beachte und sich im übrigen an die Ziele halte, für den "sollten Regressängste der Vergangenheit angehören".

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