Ärzte Zeitung online, 11.12.2017

Nach heftigem Streit

Westfalen-Lippe ändert Kurs bei den Plausi-Zeiten

Nach heftiger Kritik lenkt die KVWL ein und geht Regeländerungen bei der Plausibilitätsprüfung an. In Zukunft sollen Rückforderungen geringer ausfallen.

DORTMUND. In der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) sollen die Kriterien für die Plausibilitätsprüfung bei Praxisgemeinschaften geändert werden. Die KVWL-Vertreterversammlung stimmte vor Kurzem einem Antrag des Vorsitzenden Dr. Wolfgang-Axel Dryden zu, zeitnah eine neue Prüfsystematik zu entwickeln, nach der künftig in jedem Quartal mindestens zehn Prozent der Praxen geprüft werden. "Damit soll das Ziel erreicht werden, Fehlverhalten frühzeitig zu erkennen, die Schäden für die Mitglieder der KVWL und die abrechnenden Praxen gering zu halten und eine stärkere präventive Wirkung zu erzielen", heißt es dort.

Zurzeit umfasst die Stichprobe lediglich zwei Prozent der gemeldeten Praxisgemeinschaften. Da bei zwei Prozent erst nach 50 Quartalen alle Praxisgemeinschaften erfasst sind, werden Praxen mit einer zu großen Zahl identischer Patienten für lange Zeiträume mit zum Teil heftigen Honorarrückforderungen konfrontiert. Betroffene Ärzte hatten die KVWL heftig kritisiert (wir berichteten).

KV-Chef sieht gangbaren Weg

Es wäre denkbar, alle Praxen auf unzulässige Kooperationen zu prüfen, sagte Dryden. Das würde aber die Kapazitäten der KVWL sprengen, zusätzliches Personal wäre nötig. Die Stichprobe von zehn Prozent aller abrechnenden Praxen hält er dagegen für einen gangbaren Weg. Bei den zehn Prozent würde ermittelt, ob sie mit anderen Praxen zusammenarbeiten. "Die so gefundenen Kooperationspartner würden dann auf auffällige Patientenidentitäten von mehr als 20 Prozent beziehungsweise 30 Prozent geprüft", erläuterte er. Die 20 Prozent gelten bei fachgleichen, die 30 Prozent bei fachübergreifenden Kooperationen. Bei Auffälligkeiten klären die Mitarbeiter der KV ab, ob entlastende Faktoren vorliegen.

Die neue Methode hätte unmittelbare Auswirkungen auf die Schadensberechnung und die jeweiligen Honorarrückforderungen. "Anders als bisher würde sich die Prüfung auf die vergangenen vier Quartale beschränken", so der KVWL-Chef. Erst wenn die Praxis das Fehlverhalten nicht einstellt, würde es zu weiteren Regressen kommen.

Praxen, die nicht in allen vier Quartalen auffällig werden oder sich entlasten können, sollen darüber nach seinen Angaben informiert werden – ebenso wie über die Tatsache, dass sie künftig engmaschiger überprüft werden.

Vorteile für Ärzte

Insgesamt sieht Dryden drei Vorteile in einer solchen Vorgehensweise: Die von den Ärzten zurückgeforderten Summen fallen deutlich geringer aus, die Ärzte in betroffenen oder gefährdeten Kooperationen können ihr Verhalten ändern, und das wiederum minimiert den Schaden für die Gesamtheit der Ärzte.

Es blieben aber noch einige ungelöste Probleme, betonte er. So dürften kleine Praxen nicht zu Unrecht verdächtigt werden. Helfen könnte seiner Meinung nach die Definition einer Mindestfallzahl. Zudem könne es auch sinnvoll sein, bestimmte Leistungsgruppen wie Laborüberweisungen von vornherein auszublenden. (iss)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Welcher Grippeimpfstoff ist für Senioren am besten?

Für ältere Menschen gelten spezielle Impf-Anforderungen, so die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie. Sie hat daher Tipps für Hausärzte zusammengestellt. mehr »

Personalmangel in der Pflege gefährdet Patienten

Die Gesundheitspolitik der künftigen Regierung wird einen Schwerpunkt bei Pflege setzen müssen. Davon zeigten sich Fachleute im Vorfeld des Kongress Pflege überzeugt. mehr »

Trivalente Impfstoffe jetzt wegwerfen?

Nach der Empfehlung der STIKO zum Einsatz von tetravalenten Impfstoffen stellt sich die Frage: Was soll jetzt mit noch vorhandenen, trivalenten Impfstoffen geschehen? mehr »