Ärzte Zeitung online, 01.06.2017

Marktanalyse

Apotheker investieren in die Expansion

BERLIN. Die Anzahl öffentlicher Apotheken in Deutschland nimmt langsam ab. Kürzlich meldete die Dachorganisation ABDA für das 1. Quartal 2017 "einen neuen Tiefpunkt" mit nurmehr 19.942 öffentlichen Apotheken. Dessen ungeachtet, dass die Anzahl 1990 schon niedriger war (19.898 Betriebe) – anschließend nahm die Apotheken-Kurve kontinuierlich zu und begann erst 2014 wieder erkennbar abzuflauen –, verstellt die dramatische Wortwahl auch den Blick auf die anhaltende Konsolidierung, die die Branche derzeit durchlebt. Das geht aus jüngsten Existenzgründer-Daten der apoBank hervor.

Demnach nehmen Apotheker immer mehr Geld in die Hand, um zu expandieren. Entweder, indem sie eine Apotheke erwerben, um sie dann als Filiale zusätzlich zu ihrer bereits bestehenden Hauptapotheke zu führen (31 Prozent der Apothekengründungen 2016). Oder sie errichten selbst eine neue Filiale (4,0 Prozent). In den Vorjahren sah es ähnlich aus, 2015 entfielen 34 Prozent der neuen Betriebsgründungen auf eine Filialübernahme oder -errichtung, 2014 waren es 32 Prozent. Wobei die Preise für eine Übernahme zwecks Filialbildung zuletzt deutlich anzogen: von durchschnittlich 321.000 Euro (2015) auf jetzt 432.000 Euro.

Zum Vergleich: Über sämtliche Gründungsformen hinweg kostete eine Apotheke 2016 durchschnittlich rund 396.000 Euro.

Zugenommen habe auch die Bereitschaft, "ganze Apothekenverbünde (in der Regel zwei Betriebsstätten) zu übernehmen", heißt es. 22 Prozent der Betriebe hätten 2016 so den Besitzer gewechselt, wofür durchschnittlich knapp eine Million Euro (ohne Warenlager) hingeblättert werden mussten.

Stillstand herrscht dagegen bei der Neuerrichtung von Hauptapotheken. Wie in den beiden Vorjahren entfielen darauf auch 2016 nur drei Prozent der Betriebsgründungen. 56 Prozent der Existenzgründungen erfolgten als Übernahme einer bereits etablierten Stammapotheke.

In Kleinstädten zahlten die pharmazeutischen Existenzgründer laut apoBank "mit 490.000 Euro die mit Abstand höchsten Preise". In wettbewerbsintensiveren Großstädten lag der Preisdurchschnitt mit 341.000 Euro pro Betrieb deutlich niedriger. (cw)

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