Ärzte Zeitung online, 03.07.2017

Leistungssport

Pharmakologe: Ärzte in Doping involviert

BERLIN. Welche Rolle spielten Sportmediziner beim Doping von Spitzensportlern mit anabolen-androgenen Stereoiden (Anabolika) im vergangenen Jahrhundert? Zumindest in der westdeutschen Leichtathletik der 1960er, 1970er und 1980er Jahre hätten neben den Athleten selbst auch Mediziner, Trainer, Sportfunktionäre und Sportpolitiker in puncto Anabolika mitgewirkt. So jedenfalls äußerte sich der Pharmakologe Simon Krivec vergangene Woche vor dem Sportausschuss des Bundestages.

Krivec ist Autor der Studie "Die Anwendung von anabolen-androgenen Steroiden im Leistungssport der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1960 bis 1988 unter besonderer Berücksichtigung der Leichtathletik", für die er 112 ehemalige Athleten des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) kontaktiert hatte. Von den 61 Sportlern, die geantwortet hatten, hätten 31 ihm gegenüber die Anabolika-Einnahme zugegeben, sagte der Wissenschaftler vor dem Ausschuss.

Seinerzeit sei ein geringes Problembewusstsein der Spitzensportverbände, aber auch des Bundestags-Sportausschusses zu konstatieren gewesen, so Krivec. Spätestens nach den Olympischen Spielen in Montreal 1976 und der aufgekommenen Diskussion um Manipulationsmethoden zur Leistungssteigerung könne aber ein Wissen um den Einsatz von Anabolika im westdeutschen Sport von den handelnden Personen nicht mehr geleugnet werden, sagte er, wie der Bundestag meldet. Der mehrfache Deutsche Meister im Diskuswerfen, Klaus-Peter Hennig, sagte mit Blick auf die Sommerolympiade 1972 in München, Sportpolitik, Verbandsfunktionäre und Sportmediziner hätten ein System geschaffen, welches aktiv oder durch Duldung Doping unterstützt habe. Doping sei so systemimmanent geworden. (maw)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich
[08.07.2017, 18:56:08]
Horst Grünwoldt 
Neues?
Der Pharmakologe S. Krivec hat vor dem Sportausschuß des Bundestages gewiß nichts Neues verkündet, wenn er "auch" Mediziner der Förderung des "Dopings" bezichtigt. Schließlich gab es immer schon für die Anabolika und steroiden Hormone eine ärztliche Verschreibungspflicht!
Die schwarzen Internet-Händler traten bekanntlich erst später in die Arenen des Leistungs-Sports. So kamen dann auch Athletenbetreuer, Sportagenten und Trainer an die pharmakokinetisch zweifelhaften Mittel zur vermeintlichen Leistungssteigerung.
Vor allem aber waren es primär stets wenig qualifizierte Sportärzte, die am Ruhm der Siegertypen teilhaben wollten. Und zwar nicht nur am geernteten Prestige, sondern auch an den Preisgeldern.
Dafür sind die verantwortungslosen Experimente an jungen Menschen durch die Mediziner Keul (Freiburg i.B.) und Fuentes (Madrid) nur zwei exponierte und nachgewiesene "Spritzen"-Doktoren ohne jedes ärztliche Ethos und skrupellose Praktiken gewesen.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Wann das Smartphone für Kinderaugen gefährlich wird

Kleine Kinder sollten lieber mit Bauklötzen spielen als mit Smartphones, raten Augenärzte. Denn: Wenn die Kleinen häufig und lange auf Bildschirme starren, leiden nicht nur ihre Augen. mehr »

Quereinstieg zum Hausarzt – reicht ein Jahr Weiterbildung?

Der Deutsche Hausärzteverband warnt vor einer Verwässerung der Weiterbildung zum Allgemeinmediziner. Ein Jahr Weiterbildung reiche nicht für Umsteiger aus der Klinik. mehr »

Auf Zungenküsse besser verzichten?

Zungenküsse erhöhen offenbar das Risiko für HPV-Infekte und damit auch für Mund-Rachen-Tumoren. US-Experten haben sich das Krebsrisiko jetzt einmal genauer angesehen. mehr »