Ärzte Zeitung online, 29.11.2017
 

Im Gespräch

"An der PrEP wollen wir nicht viel verdienen"

In der Mainmetropole Frankfurt bieten drei spezialisierte Praxen die Prä-Expositions-Prophylaxe an. Die Nachfrage nach dieser Form der Vorsorge steigt, berichtet ein Arzt.

Frankfurt/Main. Die Prä-Expositions-Prophylaxe (PrEP) verbreitet sich als Präventionsmethode immer weiter. Selbst PrEP-Parties soll es in der Szene schon geben. In den großen Städten gibt es häufig bereits einige wenige Apotheken und spezialisierte Praxen, die Patienten eine PrEP mit der dafür nötigen Erfahrung anbieten. Auch Dr. Peter Gute vom Infektiologikum in Frankfurt am Main glaubt, dass PrEP noch weiter um sich greifen wird: "Das fängt gerade erst richtig an", vermutet der Internist mit HIV-Schwerpunkt. Die Praxis betreue bereits gut 50 Patienten in der DISCOVER-Studie zur PrEP und darüber hinaus "20 bis 40 weitere Patienten", so Gute im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". In Frankfurt gebe es drei Praxen, die Patienten PrEP anbieten.

Die günstige Prophylaxe für 50 Euro plus Versand sei in zwei Apotheken zu bekommen. Beteiligte Ärzte und Apotheker sind in engem Kontakt und sprechen sich über das Vorgehen ab, berichtet Gute. Seiner Meinung nach sollten "nur spezialisierte Ärzte mit entsprechender Erfahrung PrEP verordnen". Zu aufwändig sei die Eingangsdiagnostik mit HIV-Test und Leberdiagnostik sowie Nierencheck, um eine Kontraindikation auszuschließen. Für Patienten, die bereits HIV-infiziert seien, berge die PrEP ja sogar eine Gefahr: "Ich weiß von einem Patienten, der die Prophylaxe genommen hat, der sich gleich eine Resistenz eingefangen hat", berichtet Gute.

Patienten, die nach einer PrEP fragen sind nach Gutes Erfahrung häufig bereits gut informiert. "Manche nehmen das auch schon länger. Sie haben ihre Präparate dann oft im Internet bestellt. Jetzt, da die PrEP weniger kostet, ziehen sie die Verschreibung vor, weil über die Apotheke vor Ort die Wirksamkeit gesichert ist." Auch wenn die PrEP bisher als Lifestyle-Therapie nur für Selbstzahler in Betracht kommt und damit für beteiligte Praxen so etwas wie eine Individuelle Gesundheitsleistung ist: "Wir wollen an der Leistung nicht viel verdienen und bieten das eher zum Selbstkostenpreis an", berichtet der Infektiologe aus Frankfurt.

Um die Patienten möglichst wenig zu belasten, rechneten die Frankfurter Ärzte laut Gute trotz teilweise längerer Gespräche lediglich eine einfache Beratung nach GOÄ-Nummer 1 ab, und das auch noch zum einfachen Satz. Patienten zahlen dann also für die PrEP-Beratung nur 4,66 Euro plus die erforderliche Labordiagnostik, die aber in der Regel vom medizinischen Fachlabor erbracht wird. (ger)

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Prä-Expositions-Prophylaxe: HIV-Ärzte fordern PrEP-Erstattung

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