Ärzte Zeitung online, 16.11.2018

Zytostatika

Kassen sollen Preise selbst aushandeln

Apotheker sollen nicht länger am Zyto-Einkauf verdienen, sondern nur noch an der Zubereitung.

BERLIN. Der Skandal um einen Bottroper Apotheker, der in großem Stil Krebsmittelinfusionen gepanscht haben soll – und dafür erstinstanzlich zu 12 Jahren Haft verurteilt wurde –, hat weitreichende Konsequenzen für die Zunft der Zytostatika herstellenden Apotheken: Künftig sollen Kassen und Hersteller Wirkstoffpreise untereinander aushandeln und nicht mehr wie bisher Apotheker mit Herstellern. Das kündigte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bei der Vorstellung des Referentenentwurfs für das „Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung“ am Freitag an.

Demnach sollen die Apotheken für eine patientenindividuelle Zytostatika-Zubereitung künftig pauschal mit 110 Euro honoriert werden. Dadurch ergäben sich Mehrkosten von schätzungsweise 120 Millionen Euro, heißt es in einer Darstellung des Gesundheitsministeriums. Durch die Verlagerung der Preisverhandlungserlaubnis auf die Kassen ließen sich aber voraussichtlich 300 Millionen Euro einsparen. Mit der Neuregelung würden die gesetzlichen Kostenträger also per Saldo 180 Millionen Euro jährlich einsparen. Insgesamt geben die Kassen pro anno über eine Milliarde Euro (2017: 1,16 Mrd., ohne monoklonale Antikörper) für Zytostatika-Zubereitungen aus.

Bisher dürfen Apotheken die Preise im Zytostatika-Einkauf mit Anbietern frei aushandeln. Weil unterstellt werden kann, dass sie dabei auf einen guten Schnitt kommen, müssen sie den Krankenkassen hohe Abschläge auf den Listenpreis der jeweiligen Wirkstoffe gewähren. In der zuletzt per Schiedsstellenbeschluss neu gefassten Hilfstaxe wurden diese Abschläge von im Schnitt 30 auf 50 Prozent angehoben.

Dass Apotheker im Zyto-Einkauf – anders als beim Bezug von Fertigarzneimitteln – Nachfragemacht ausspielen und in bare Münze umsetzen können, gilt Beobachtern als neuralgischer Punkt dieser Versorgungsschiene, die in der Vergangenheit immer wieder auch Korruptions- und Kick-Back-Vorwürfe auf sich zog. (cw)

Lesen Sie dazu auch:
Spahns neues Gesetzesvorhaben: Mehr Sicherheit vor Arzneimittel-Pfusch

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