Ärzte Zeitung, 28.06.2011

Damit der Ausstieg aus dem Suchtstrudel gelingt

Für Co-Abhängige ist es nicht leicht, sich von der Sucht des Partners zu lösen. Viele Schritte sind dabei wichtig.

Für Co-Abhängige ist das wichtigste Ziel, nicht im Suchtsystem unterzugehen und ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Bisher hat sich alles um den abhängigen Partner gedreht, er stand immer im Mittelpunkt.

Nun gilt es, die eigene Person wieder ins Zentrum zu rücken. Die Devise muss sein: "Hilfe durch Nicht-Helfen". Das heißt nicht Nichts-Tun.

Süchtige sind auf Anerkennung angewiesen

Es geht vielmehr darum, den Abhängigen nicht mehr bei der Bewältigung des Alltags zu unterstützen, rät die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS). Süchtige sind auf die Anerkennung des Umfelds angewiesen.

Wenn nun Fehler sichtbar werden, sind sie gezwungen, selbst Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen. Und nur so kann es zu einer Veränderung, etwa durch eine Suchttherapie kommen.

Nötig ist also der Ausstieg aus der Co-Abhängigkeit. Die DHS nennt die entscheidenden Schritte:

Den Tatsachen ins Auge sehen: Sie erkennen die Abhängigkeit als gegeben an und trennen sich endgültig von der Hoffnung, all dies sei nur ein böser Spuk, der von alleine wieder verschwinden wird.

Den Krankheitswert der Abhängigkeit akzeptieren: Schuldgefühle überwinden, aufhören zu helfen und versuchen, nicht länger die Krankheit und ihre Folgen zu verheimlichen.

Konsequent bleiben: Dinge, die Sie ankündigen, führen Sie aus. Dinge, die Sie nicht ausführen können oder wollen, drohen Sie Ihrem Partner nicht an. Se machen deutlich, dass das, was Sie sagen, ernst zu nehmen ist.

Verantwortung für das eigene Leben übernehmen: Jetzt nehmen Sie Ihr Leben wieder selbst in die Hand, um es erfüllter werden zu lassen. Umgekehrt geben Sie der anderen Person die Verantwortung für ihr Leben zurück. Nicht länger sehen Sie in ihr/ihm einen Teil von sich selbst, für dessen Handlungen Sie verantwortlich sind. (ug)

Zur Broschüre "Ein Angebot an alle, die einem nahe stehenden Menschen helfen wollen" der DHS

Lesen Sie dazu auch:
Co-Abhängigkeit: Die verkannte Krankheit

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Auf Zungenküsse besser verzichten?

Zungenküsse erhöhen offenbar das Risiko für HPV-Infekte und damit auch für Mund-Rachen-Tumoren. US-Experten haben sich das Krebsrisiko jetzt einmal genauer angesehen. mehr »

Das ist bei einer Datenpanne zu tun

Bei einem Datenleck in der Praxis sind Inhaber nach der Datenschutzgrundverordnung verpflichtet, dies zu melden. Wem und wie, das erläutern Medizinrechtler. mehr »

Urologen befeuern Diskussion um Herztoddiagnostik

Die Deutsche Gesellschaft für Urologie fordert große Reformen bei der Organspende. DGU-Präsident Professor Paolo Fornara erläutert im Interview, welche Neuregelungen seiner Meinung nach dringend nötig sind. mehr »