Ärzte Zeitung online, 01.08.2012

Compliance

Apotheker-Beratung stärkt Therapietreue

Eine aktuelle Erhebung unter 3500 Kassenpatienten hat ergeben, dass Patienten stärker ihrer Therapie treu bleiben, wenn sie von ihrem Apotheker zur Medikation beraten werden.

KÖLN (iss). Bei Kunden der Versandapotheke DocMorris entspricht die Arzneimittelversorgung eher den Empfehlungen der wissenschaftlichen Leitlinien als bei Patienten, die sich in den wohnortnahen Apotheken versorgen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Health Risk Instituts (HRI).

Das HRI ist eine gemeinsame Tochter von Spectrum K - einem Gemeinschaftsunternehmen der Betriebskrankenkassen - und der Verlagsgruppe Elsevier.

In die Untersuchung wurden Daten von 3500 gesetzlich Versicherten einbezogen, die erstmals verschreibungspflichtige Arzneimittel bei DocMorris bezogen hatten, und zwar mindestens zwei Mal innerhalb von zwölf Monaten.

Für sie wurde eine risikoadjustierte Vergleichsgruppe aus weiteren 3500 Versicherten zusammengestellt. Die Wissenschaftler konnten am Rezept erkennen, ob ein Patient sein Rezept bei DocMorris oder in einer Vor-Ort-Apotheke eingelöst hat.

Das Institut hat die anonymisierten Daten zu Verordnungen und Diagnosen ausgewertet - mit Blick auf die Krankheitsbilder, die für den Morbididtätsorientierten Risikostrukturausgleich (Morbi-RSA) relevant sind.

Nicht rießig, aber signifikant

"Wir haben das Verfahren verwendet, mit dem im Morbi-RSA die Diagnosen anhand der Arzneimittel-Verordnungen validiert werden", sagt HRI-Geschäftsführer Dr. Thomas Zahn.

Bei einem Diabetiker hat das HRI untersucht, ob er ausreichend Insulin verordnet bekommen hat. Von den Verordnungen haben die Forscher Rückschlüsse auf die Compliance der Patienten gezogen.

Für die Messung der Übereinstimmung von Soll und Ist haben sie einen "Morbi-RSA Compliance Index" entwickelt, der von 0 bis 1 reicht.

Nach Angaben von Zahn kommen die DocMorris-Kunden dabei auf einen Wert von 0,65, die Vergleichsgruppe auf 0,63. "Der Effekt ist nicht riesig, aber signifikant. Die Abweichung ist nicht zufällig", sagt er. Das Institut will die Analyse künftig kontinuierlich durchführen.

"Das Ergebnis zeigt, dass wir durch systematische und qualitätsgesicherte Beratung über alle Krankheitsbilder hinweg im Durchschnitt für mehr Compliance sorgen", bewertet Professor Christian Franken die Untersuchung, der Chefapotheker von DocMorris.

Das Unternehmen plane, die Beratungsleistungen noch spezifischer auszurichten und ausgewählte Patientengruppen noch gezielter pharmazeutisch zu beraten, kündigt er an.

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