Ärzte Zeitung, 21.09.2012

Grüße aus Babel

Patienten verstehen Ärzte oft nicht

Immer mehr Patienten greifen auf die Beratung durch Ombudsleute zurück. Der Hauptgrund: Kommunikationsprobleme mit Ärzten. Das kann sich auch negativ auf den Behandlungserfolg auswirken.

Von Dirk Schnack

Patienten verstehen Ärzte oft nicht

Am häufigsten beschweren sich Patienten über die Kommunikation mit dem Arzt, zeigen Daten des Patientenombudsvereins.

© mangostock / istockphoto

BAD SEGEBERG. Kommunikationsprobleme mit den Patienten erhöhen den Bedarf an Beratung und Schlichtung im Gesundheitswesen.

Der Patientenombudsverein Schleswig-Holstein verzeichnete im vergangenen Jahr einen Anstieg der Beratungen um ein Drittel, die Anfragen an die Pflegeombudsfrau nahmen sogar um fast 50 Prozent zu.

Insgesamt erreichten die Patientenombudsleute im vergangenen Jahr 1414 Anfragen, die Pflegeombudsfrau wurde 205 Mal um Rat gebeten. Diese Zahlen nennt der Verein in seinem aktuellen Jahresbericht für 2011.

Ganz oben in der Liste der Beschwerdegründe stehen kommunikative Probleme der Patienten mit niedergelassenen Ärzten, mit Krankenkassen und mit Kliniken. Fast 400 Mal schalteten Patienten den Verein wegen kommunikativer Mängel ein, davon in 189 Fällen nach einem Praxisbesuch.

Von "alarmierenden Zahlen", sprach Heide Simonis, Vorsitzende des Vereins Patientenombudsmann/-frau Schleswig-Holstein.

Sprache zu kompliziert?

"Wenn das Gespräch zwischen Arzt und Patient nicht beide Seiten zufriedenstellt, bleibt meist auch die Behandlung wenig erfolgreich", sagte die frühere Ministerpräsidentin des Landes.

Patienten wünschten sich in erster Linie, dass der Arzt mit ihnen in einer verständlichen Sprache spreche, ihnen zuhöre und Interesse für sie zeige.

Simonis betonte, die vier Patientenombudsleute des Vereins strebten eine Schlichtung an und sprächen dafür stets mit beiden Seiten. Das Arzt-Patienten-Verhältnis könne aber nur so gut sein wie das Gesundheitssystem an sich.

Auf Platz zwei der Beschwerdegründe standen Verordnungen (226 Mal), gefolgt vom Verdacht auf Behandlungsfehler (221). Auch rechtlicher Beistand (174) und Abrechnungsfehler (136) waren häufige Beschwerdegründe.

79 Patienten waren unzufrieden mit organisatorischen Abläufen der medizinischen Leistungserbringer, Hauptgrund: Wartezeiten.

Viele Akteure des Gesundheitswesens im Norden, sowohl von ärztlicher als auch von Kassenseite, tragen den 1996 gegründeten Verein.

Zu ihnen zählen aber auch soziale Einrichtungen wie das Deutsche Rote Kreuz. Im November 2011 hat Heide Simonis den Vorsitz übernommen.

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