Ärzte Zeitung online, 01.11.2013
 

Geriatrie

Triviales stört korrekte Arznei-Einnahme

Oft behindern mangelnde manuelle Fertigkeiten oder unzureichende kognitive Fähigkeiten die korrekte Arznei-Einnahme.

NEU-ISENBURG. Es ist immer wieder überraschend, welche scheinbar trivialen Dinge die korrekte Medikamenteneinnahme be- oder verhindern. Dazu gehören mangelnde manuelle Fertigkeiten, unzureichende kognitive Fähigkeiten und negative Einstellungen gegenüber Arzneimitteln wie zwei Untersuchungen belegen.

So hat bereits vor Jahren ein Medikamenten-Anwendungstest am Hanusch-Krankenhaus in Wien ergeben, dass nur jeder fünfte geriatrische Patient neun Aufgaben mit Bezug zur Compliance komplett richtig lösen konnte (Findl I. et al. Top Tipps 2001, 3: 1 unter: www.noegkk.at).

Von insgesamt 200 geriatrischen Patienten waren nicht in der Lage...

die verordnete Dosierung zeitlich zuzuordnen: 47 Prozent,

eine Dosierhilfe entsprechend drei Dosisverordnungen zu füllen: 40,5 Prozent,

10 ml Saft in einen Messbecher zu füllen: 39 Prozent,

eine Dose mit Kindersicherung zu öffnen: 34,5 Prozent,

eine Dose mit Brausetabletten zu öffnen: 27,5 Prozent,

die Applikation "Brausetablette" zu erklären und die Tablette in Wasser aufzulösen: 23 Prozent,

20 Tropfen auf einen Teelöffel zu zählen: 23,5 Prozent,

die Verordnung "bei Bedarf" zu erklären: 20 Prozent,

eine Tablette zu teilen: 8 Prozent der Patienten.

Im Gesundheitsmonitor 2/2011 der Bertelsmann-Stiftung und der Barmer GEK wurde deutlich, dass mehr als die Hälfte der befragten Patienten Medikamente letztlich für Gift halten.

42 Prozent stimmten der Aussage zu: "Wenn man ein Medikament nicht verträgt, sollte man es besser wegwerfen" und 20.Prozent glaubten: "Die meisten Medikamente machen abhängig."

Bemängelt werden von den Patienten zu wenige Erläuterungen zur Einnahmedauer oder Dosierung sowie unzureichende Informationen über unerwünschte Wirkungen der Arzneien. (ner)

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