Ärzte Zeitung, 09.04.2014

DGIM-Kongress

Brücken in die Erwachsenenmedizin

Wie baut man Betreuungsbrücken aus der Pädiatrie in die Erwachsenenmedizin? Die Transitionsmedizin bietet Lösungen: Thema beim Internistenkongress.

WIESBADEN. Betrifft die Transition eine chronische Krankheit, die bei Kindern wie Erwachsenen vorkommt, kann beim Brückenbau bereits auf Fundamente zurückgegriffen werden. Schwieriger wird es für Patienten, deren Krankheiten in der Erwachsenenmedizin bislang unbekannt waren.

Jugendliche mit chronischer Krankheit haben dieselben Probleme mit der Pubertät wie ihre gesunden Altersgenossen - plus zusätzliche körperliche und psychische Beschwernisse. Eine rheumatische Krankheit zum Beispiel kann mit lokalen Wachstumsstörungen, Osteoporose und Infektionen einhergehen, die Pubertät kann verzögert eintreten.

Emotionale Schwankungen und Risikoverhalten wirken sich negativ auf Therapieadhärenz und Krankheitsverlauf aus. Und dies in einer Phase, in der die Verantwortung für den eigenen Körper von den Eltern auf den Patienten übergeht.

Deshalb ist die Versorgung der Grundkrankheit nur das eine, auch Krankheitswissen und Selbstmanagement müssen gefördert werden.

"Es gibt nur weniger Pädiater, die Kinder und Jugendliche mit chronisch-entzündlicher Darmerkrankung (CED) behandeln, und für diese ist es dann auch nicht so leicht, einen Erwachsenen-Gastroenterologen zu finden, der die CED als Schwerpunkt anbietet", nennt Professor Britta Siegmund von der Charité ein weiteres Beispiel.

Sie ist Mitglied einer Arbeitsgruppe zur Transitionsmedizin der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM)und der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin(DGKJ).

In Berlin-Brandenburg werden Jugendliche mit CED innerhalb eines Programms über ein Jahr begleitet. Das Programm soll nach Angaben von Siegmund jetzt auf Norddeutschland und später bundesweit ausgeweitet werden.

Eine gewisse Vorreiterrolle, gerade was seltene Erkrankungen angeht, die in der Kindheit beginnen, könne der Mukoviszidose zugesprochen werden, meint Professor Burkhard Tümmler aus Hannover. An der MHH werden in der Christiane-Herzog-Ambulanz für Mukoviszidose-Kranke schwerpunktmäßig die 12- bis 24-jährigen Patienten betreut.

Diese Lebensphase sei besonders kritisch, so Tümmler, weil der jährliche Lungenfunktionsverlust ausgeprägt ist. Eine große Bedeutung habe auch die Therapietreue: "Diese Problematik kann mit einem gezielt zugeschnittenen Versorgungsprogramm gelindert werden." (ner)

DGIM-Kongress / Symposium Transitionsmedizin; 26. April, 14:30 bis 16:00 Uhr.

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