Ärzte Zeitung online, 13.03.2015

Ausländische Ärzte

Mehr als nur die Sprache zählt

Der Titel des Modellprojekts ist sperrig, sein Ziel aber realitätsnah: Teams aus Ärzten und Sprachdidakten sollen ausländische Mediziner weit über die reine Sprachvermittlung hinaus schulen, um die Integration in den deutschen Klinikalltag zu erleichtern.

Von Ilse Schlingensiepen

Mehr als nur die Sprache zählt

„Praktische Übung am Krankenbett“: der ärztliche Direktor des UKE Professor Eckhard Nagel, NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens, Assistenzarzt Dr. Johannes Kordt und Simulationspatientin Ariane Raspe. (v.l.n.r.)

© Schlingensiepen

ESSEN. Es macht einen großen Unterschied, ob der Schmerz eines Patienten stechend, beißend oder kolikartig ist, ob er tief sitzt oder an der Oberfläche.

"Diese Dinge muss der Arzt im Dialog mit dem Patienten herausarbeiten", sagt Professor Andreas Kribben, Direktor der Klinik für Nephrologie am Universitätsklinikum Essen (UKE).

Schwierig kann es werden, wenn der Arzt die Sprache des Patienten nicht gut beherrscht und einen anderen kulturellen Hintergrund hat.

Ausländische Ärzte benötigt

Kribben leitet die Steuerungsgruppe des Modellprojekts "Empathisch-Interkulturelle Arzt-Patienten-Kommunikation", das gemeinsam vom UKE und der Stiftung Krankenhaus Bethanien Moers entwickelt wurde.

Es setzt sich aus vier Säulen zusammen: die Schulung ausländischer Ärzte in der patientengerechten Kommunikation unter realitätsnahen Bedingungen mit Simulationspatienten; die Vorbereitung auf die Fachsprachprüfung; die Qualifikation von Dozenten-Teams aus Ärzten und Sprachdidakten, die das Konzept in möglichst viele Kliniken tragen sollen; die Integration der empathisch-interkulturellen Arzt-Patienten-Kommunikation in die Medizinerausbildung am Uniklinikum Essen.

Ärzte aus anderen Ländern werden dringend benötigt, um die Patientenversorgung sicherzustellen, betont die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne).

In NRW arbeiten zurzeit mehr als 5000 ausländische Ärzte an Kliniken. Das Ministerium fördert die Dozentenausbildung mit einer Million Euro.

"Die Ärzte brauchen nicht nur gute Sprachkenntnisse, sondern auch die Kompetenz, empathisch mit den Patienten umgehen zu können", sagt Steffens.

"Heilung beginnt mit der Sprache"

Das Gespräch mit dem Patienten sei die entscheidende Grundlage für Diagnostik und Therapie, betont der ärztliche Direktor des UK Professor Eckhard Nagel. "Heilung beginnt mit der Sprache."

Das Uniklinikum Essen hat die Kapazität, um zwölf bis 20 Dozenten-Tandems auszubilden, sagt die ärztliche Projektleiterin Stefanie Merse.

Sie sollen die Ärzte für die Kommunikation mit Patienten, Ärzten und Pflegekräften fit machen, aber auch in der schriftlichen Kommunikation. "Das ist die Schnittstelle zum Hausarzt."

Von den Ärzten, die in den Jahren 2013 und 2014 in Nordrhein mit der Arbeit im Krankenhaus begonnen haben, kamen 45 Prozent nicht aus Deutschland, 2012 betrug der Anteil noch 35 Prozent, berichtet Professor Susanne Schwalen, Geschäftsführende Ärztin der Ärztekammer Nordrhein.

Die Mediziner kommen aus unterschiedlichen Ländern.

Bei den Fachsprachprüfungen werde getestet, ob die Mediziner im Gespräch mit dem Patienten eine Anamnese erheben, sie dokumentieren und die Krankengeschichte mit Patienten diskutieren können.

Die Durchfallquote beträgt zurzeit rund 30 Prozent. "Wir sehen, dass ein vorheriges Training notwendig ist, um die Fachsprachprüfung gut zu bestehen", sagt Schwalen.

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