Ärzte Zeitung online, 17.08.2016

Unterschiedliche Einschätzungen

Mehr Redebedarf bei Krebs

Von Robert Bublak

Die Prognose einer unheilbaren Krebserkrankung korrekt zu stellen, ist keine leichte Aufgabe. Der künftige Krankheitsverlauf lässt sich nun einmal nur vermuten. Fehleinschätzungen liegen hier in der Natur der Sache.

Etwas anderes ist es, wenn Ärzte und Patienten in der Einschätzung der Krankheitsprognose systematisch voneinander abweichen – so geschehen in einer Studie, in der Ärzte und ihre an fortgeschrittenem Krebs leidenden Patienten nach den Überlebenschancen der Kranken für die kommenden zwei Jahre befragt wurden.

In fast 70 Prozent der Fälle unterschieden sich die Schätzungen. Fast alle Patienten stellten für sich selbst eine bessere Prognose als ihre Ärzte.

Besonders irritiert daran, dass die Ärzte angaben, mit fast allen Patienten ausführlich über deren Prognose gesprochen zu haben. Konnten, wollten die Patienten nicht verstehen? Haben die Ärzte deutliche Worte gescheut? Jedenfalls hat die Kommunikation nicht so funktioniert, wie sie hätte funktionieren sollen. Und falsche Einschätzungen, zu optimistische zumal, führen womöglich zu nutzlosen und belastenden Therapieversuchen.

Patienten und Ärzten könnte da eine Regel weiterhelfen, die für alle Paare gilt: Wir müssen reden. Und zwar so lange, bis Klarheit herrscht.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Debakel für ASS

Acetylsalicylsäure schützt Ältere nicht vor Herz-Kreislauferkrankungen - im Gegenteil: Ihr Sterberisiko ist erhöht. Mit diesem Ergebnis überrascht die ASPREE-Studie. mehr »

Junge sind besonders depressionsgefährdet

Der Alltag junger Menschen birgt hohe Risiken für Depressionen. Ärzte warnen: Die Gefahr der Chronifizierung ist groß. mehr »

Allergien machen Kindern zu schaffen

Allergien, psychische Störungen und Unfälle bleiben die häufigsten Risiken für chronische Krankheiten von Kindern. Vor allem Asthma, Heuschnupfen und Neurodermitis beeinträchtigen den Nachwuchs. mehr »