Ärzte Zeitung, 08.12.2016
 

E-Health-Umfrage

Ärzte aufgeschlossen, hoffen auf bessere Kommunikation

E-Health ist ein zweischneidiges Schwert, das offenbart eine Umfrage unter Ärzten. Die Mediziner wünschen sich bessere Kommunikation durch die Digitalisierung und sehen andererseits Telesprechstunden immer positiver.

Von Dirk Schnack

E-Health-Umfrage

Minority Report lässt grüßen: Sieht so die Digitalisierung der Medizin aus?

© Santiago Silver / Fotolia.com

HAMBURG. Fast jeder Arzt hat eine klare Haltung zum Thema E-Health. Die Studie "Ärzte im Zukunftsmarkt Gesundheit 2016: Digitalisierung des Arztberufs" belegt, dass Ärzte grundsätzlich eher positiv eingestellt sind. Als Problem sehen sie eine aus ihrer Sicht unausgereifte Umsetzung.

"Wie stehen Sie grundsätzlich zum Thema E-Health?" Das wollte die Hamburger Stiftung von den Ärzten für ihre Studie wissen. Die Antworten ergeben ein geteiltes Lager mit leichtem Übergewicht bei den Befürwortern. 12,5 Prozent von 312 antwortenden Ärzten gaben an, dass sie die Entwicklung gut finden und daran auch aktiv teilnehmen.

Weitere 32,4 Prozent finden die Entwicklung grundsätzlich gut – warten aber ab, bis mehr Erfahrungen vorliegen. Nur 3,5 Prozent der befragten Ärzte lehnen E-Health grundsätzlich ab. Aber immerhin 36,9 Prozent sagen auch, dass sie E-Health zumindest skeptisch gegenüber stehen. Unschlüssig zeigen sich 14,7 Prozent der Befragten.

Kommunikation hat Luft nach oben

Das mit Abstand größte Potenzial sehen die Ärzte in einer verbesserten Kommunikation an den Schnittstellen mit anderen Behandlern. 57 Prozent der Befragten nannten diesen Punkt.

Eine verbesserte Kommunikation mit den Patienten erhoffen sich dagegen nur 32,2 Prozent, weitere 29 Prozent setzen auf eine bessere Versorgung von Patienten in größerer Entfernung.

Eine geringere Rolle bei den Potenzialen spielen die bessere Versorgungsqualität (19,4 Prozent), eine wirtschaftlichere Versorgung (17,8 Prozent), eine bessere Compliance (15,9 Prozent) sowie eine Verbesserung des Arbeitsalltags und der Lebensqualität von Ärzten und Praxismitarbeitern (12,7 Prozent).

Die größten Probleme erkennen die Ärzte in einer nach ihrer Beobachtung noch unausgereiften praktischen Umsetzung von E-Health (67,2 Prozent) und beim Datenschutz (61,8 Prozent). Dass E-Health zu viel Aufwand verursachen könnte, glauben 32,8 Prozent.

Eine Verunsicherung von Ärzten und Patienten durch die öffentlich geführte Debatte gaben 26,4 Prozent als Problem an. Ein Viertel der Befragten glaubt auch, dass E-Health die Bindung zwischen Arzt und Patient verschlechtern wird. Zu wenig Interesse bei Ärzten sehen 17,8 Prozent der Befragten.

Mehr Offenheit für Digitalisierung

Unabhängig von der grundsätzlichen Einstellung zum Thema E-Health erwarten 72 Prozent der Ärzte, dass die Digitalisierung ihre Arbeit in den nächsten Jahren verändert wird. Prinzipiell gut finden das 22,3 Prozent, mit Sorge betrachten es 21,3 Prozent. 28,4 Prozent gaben an: "Ich nehme es, wie es kommt."

18,7 Prozent erwarten keine wesentliche Beeinflussung ihrer Arbeit, weitere 9,4 Prozent konnten dies nicht beantworten. Im Vergleich zu einer Vorjahresstudie ergab sich außerdem, dass der Anteil der Praxen, deren Praxisverwaltungssystem mit diagnostischen Geräten vernetzt ist, von 41,9 auf 46,7 Prozent gestiegen ist.

Ein weiteres Prozent bereitet das derzeit konkret vor und 12,3 Prozent können sich dies vorstellen.

Videosprechstunde zunehmend akzeptiert

Der Anteil der Ärzte, die aufgeschlossen für eine Videosprechstunde sind, ist innerhalb eines Jahres von 38,7 auf 47 Prozent gestiegen, der Anteil der Ablehner von 61,3 auf 53 Prozent gesunken. 81,6 Prozent der Befürworter können sich eine Videosprechstunde insbesondere für Patienten vorstellen, die nur eingeschränkt mobil sind.

Video-Konsile mit Kollegen nutzen bislang vier Prozent, ein Prozent bereitet sie konkret vor.

Das Interesse an Video-Konsilen ist zwar groß – 54 Prozent können sich grundsätzlich vorstellen, sie zu nutzen – aber es gibt auch eine Menge Kollegen, die dies ablehnen. 41 Prozent würden Video-Konsile nur nutzen, wenn sie gesetzlich vorgeschrieben wären.

Skepsis bei Online-Terminbuchung

Verhalten zeigen sich die Ärzte bei der Online-Terminbuchung. 57,5 Prozent haben daran kein Interesse. Nur 15,6 Prozent nutzen sie bereits und weitere 5,3 Prozent sind in der konkreten Vorbereitung.

Mit Abstand wichtigster Grund für eine Ablehnung: Ärzte möchten selbst entscheiden, welcher Patient wann einen Termin bekommt (76,3 Prozent). 48,6 Prozent verzichten, weil ihr aktuelles System gut genug funktioniert.

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