Ärzte Zeitung online, 22.02.2017
 

Praxismarketing

Erfolgsrezept Patiententag

Ob Infotag, Schulung oder nur ein Kurzvortrag: Patientenveranstaltungen haben eine nachhaltige Wirkung auf die Compliance. Denn so können Praxen die Angehörigen als Therapiehelfer gewinnen. Gleichzeitig tun sie etwas für die Patientenbindung. Allerdings gilt es einige Regeln zu beachten.

Von Birgit Hallmann

NEUSTADT. Patientenveranstaltungen sind für Arztpraxen ein besonders wirksames Mittel, Gesundheitsinformationen in vertiefter Form zu vermitteln und zugleich die Patientenbindung deutlich zu erhöhen. Die Verknüpfung von nützlichen Informationen mit einem attraktiven Veranstaltungsort führt bei Patienten zu einem nachhaltigen Eindruck von der Arztpraxis und zu positiver "Mund-zu-Mund-Propaganda". Es stärkt aber eben auch die Compliance und das eigene Gesundheitsbewusstsein.

Welche Themen sind gefragt?

Aus Praxismarketingsicht eignen sich für einen Tag der offenen Tür oder Info-Seminare natürlich vor allem Themen, von denen viele Patienten betroffen sind – z.B. Volkskrankheiten wie Diabetes, Venenerkrankungen, Herz-/Kreislauferkrankungen, Ernährungsfragen oder Gewichtsreduktion. Sie können aber ebenso für die Compliance wichtig sein, da zu den Veranstaltungen gleich die Angehörigen mit eingeladen werden können. Und je besser diese informiert sind, umso eher können sie sich als Therapiehelfer betätigen. Denn gerade bei Ernährungs- und Bewegungsfragen hängt die Umsetzung im Alltag der Patienten sehr stark auch am Lebenspartner.

Mitstreiter suchen

Aber auch das Themengebiet "Vorbeugung und Prophylaxe" bietet sich an. Die Patientenveranstaltung muss sich allerdings nicht unbedingt auf bestimmte Erkrankungen beziehen – es können durchaus auch angrenzende Themen gewählt werden. So ist zum Beispiel das Thema "Erreichen einer Pflegestufe" für ältere Patienten und für Patienten mit betreuungsbedürftigen Angehörigen interessant. Bei manchen Themen kann es sinnvoll sein, ergänzend auf externe Co-Referenten zurückzugreifen. Häufig sind Pharmaunternehmen bereit, erfahrene Referenten zur Verfügung zu stellen. Auch Angehörige anderer Heilberufe kommen als Co-Referent in Betracht (z.B. Apotheker, Heilpraktiker, oder Physiotherapeuten). Insbesondere durch gemeinschaftliche Veranstaltungen mit einer regionalen Apotheke verbessert sich meist nicht nur die fachliche und zwischenmenschliche Zusammenarbeit, sondern auch die Arzneimitteltherapie-sicherheit für den Patienten. Wenn im Fachvortrag ergänzend auf mögliche Fehlerquellen in der Medikation an den "Schnittstellen" zwischen Arztpraxis, Apotheke und Patienten eingegangen wird, so erhöht sich dadurch das Verständnis des Patienten für den richtigen Umgang mit seinen Medikamenten und damit natürlich wiederum seine Therapietreue.

Die Organisation

Als Wochentag für die Veranstaltung eignet sich erfahrungsgemäß der Dienstag oder der Donnerstag am besten. Veranstaltungsbeginn sollte der frühe Abend sein. Wenn die Arztpraxis selbst über geeignete Räumlichkeiten verfügt, so können kleinere Veranstaltungen intern durchgeführt werden. Für größere Veranstaltungen wird man meist Räume in einem Hotel oder Veranstaltungszentrum wählen. Am einfachsten machen Sie Ihre Patienten auf die Veranstaltung aufmerksam, wenn Sie Flyer an der Anmeldung oder im Wartezimmer auslegen und zusätzlich am Ende jeder Behandlung kurz auf die Veranstaltung hinweisen. Ergänzend können Sie per E-Mail und auf Ihrer Homepage über die Veranstaltung informieren.

Fordern Sie Ihre Patienten auch auf, Freunde und Bekannte mitzubringen, um auf diese Weise neue Patienten auf sich aufmerksam zu machen. Laden Sie auch Apotheker, Physiotherapeuten, Betreiber von Altenheimen oder Kliniken ein. Diese Personen können Ihre Veranstaltung zusätzlich bekannt machen. Und vergessen Sie nicht die Lokalpresse: Eventuell können Sie einen kurzen Bericht vor oder nach der Veranstaltung erreichen.

Alle eingehenden Anmeldungen sollten dann sofort in einer Teilnehmerliste erfasst werden. Ab der Ankündigung der Veranstaltung müssen Sie auch mit telefonischen oder persönlichen Rückfragen der Patienten rechnen. Deshalb sollten alle Mitarbeiter über Zeitpunkt und Inhalt der Veranstaltung informiert sein.

Ein fachlicher Vortrag sollte nicht länger als 45 bis 90 Minuten dauern (alternativ: 2 x 60 Minuten mit kurzer Pause). Bedenken Sie, dass die meisten Teilnehmer schon einen anstrengenden Arbeitstag hinter sich haben und die Aufnahmefähigkeit folglich begrenzt ist. Visualisieren Sie die wichtigsten Aussagen Ihres Vortrags mit Beamer und Power-Point.

Handouts wirken nach

Ein kurzes Skript mit den wichtigsten Aussagen wertet die Veranstaltung zusätzlich auf. Und die Patienten haben die Möglichkeit, das Erlernte zu Hause noch einmal aufzufrischen und zu vertiefen. Gerade bei Tipps zu Ernährung und Bewegung ist das hilfreich. Stellen Sie zusätzlich auf Ihrer Homepage einen kurzen Bericht über die zurückliegende Veranstaltung ein. Allen Patienten, die sich zwar angemeldet haben, aber nicht erschienen sind, können Sie ebenfalls eine kurze Zusammenfassung über die Veranstaltung zusenden und dabei bereits auf den nächsten Veranstaltungstermin hinweisen.

Birgit Hallmann ist Fachautorin in Neustadt

und Referentin für Praxismanagement, Medikationsmanagement und QMS.

Checkliste Patientenseminar

- Thema festlegen

- Co-Referenten bestimmen

- Termin festlegen (Datum, Uhrzeit, Dauer)

- Mitarbeiter informieren

- Einladungen versenden bzw. auslegen

- Räumlichkeiten buchen

- Beamer und Leinwand bestellen

- Bewirtung buchen

- Lokalpresse einladen

- Ankündigung auf Homepage

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Wie Grippeviren ihr Erbgut steuern

Forscher haben nachgewiesen, wie Gene von Influenza-A-Viren an- und abgeschaltet werden. Die Erkenntnisse sollen die Entwicklung neuer Therapien vorantreiben. mehr »

6000 Euro Strafe für Informationen über Abtreibung

Wegen unerlaubter Werbung für Schwangerschaftsabbrüche hat das Amtsgericht Gießen am Freitag eine ortsansässige Allgemeinärztin zu 6000 Euro Geldstrafe verurteilt. mehr »

Mehr Transparenz soll die Wogen der SPRINT-Studie glätten

Der Streit um die SPRINT-Studie hält an. Im Fokus steht die genutzte Methode der Praxisblutdruckmessung, um die sich Gerüchte rankten. Jetzt hat die SPRINT-Gruppe für mehr Transparenz gesorgt. mehr »